Beitrag: Boike Jacobs

Noch nie habe ich bei facebook auf einen einfachen Kommentar so viele Antworten bekommen – alle negativ. Worum geht es dabei? Nun, Wirtschaftsministerin Katharina Reiche hat mit folgender Ankündigung für Wirbel gesorgt: „Der demographische Wandel und die weiter steigende Lebenserwartung machen es unumgänglich: Die Lebensarbeitszeit muss steigen.“ Es könne auf Dauer nicht gut gehen, nur zwei Drittel des Erwachsenenlebens zu arbeiten und ein Drittel in der Rente zu verbringen. „Bist Du bereit, für die deutsche Wirtschaft mehr und länger zu arbeiten?“, lautete daraufhin die Frage an die facebook community. Meine spontane Antwort: „Ja. Ich arbeite gerne, und wirtschaftlich können wir uns die von der SPD geforderte Rente ab 63 nicht leisten. Ich denke, ich stehe mit dieser Haltung nicht allein.“ Aber da hatte ich mich gründlich vertan. „Was arbeitest Du denn, Dachdecker?“, lautet die erste ironische Frage an mich. Und der Nächste legt nach: „Ich vermute, Sie sind mit 55 in Pension gegangen. Ich arbeite, seit ich 16 bin, im Drei-Schichten-System. Ich sehe mit meinen 55 Jahren und 39 Jahren Berufszeit nicht mehr so frisch aus wie Sie.“ Das war in diesem Fall gewiss nicht als Kompliment gemeint.
„Dies kann auch nur von Menschen kommen, die nie körperlich hart gearbeitet haben in ihrem Leben“, heißt es weiter. Ich muss zugeben, dass ich zu wenig an diese Berufsgruppen gedacht hatte. „Also ich arbeite von 15 bis 67, und die Lebenserwartung liegt so bei 70 bis 75 bei meinen männlichen Vorfahren. Dann hätte ich 52 Jahre einbezahlt und mich dann noch acht Jahre irgendwie mit Schmerzen durch die Arztpraxen geschoben. 52 zu 8 ? Zwei Drittel, ein Drittel?“ So die Rechnung eines Kommentators.


Und genauso geht es weiter: „Nein. In einem Jahr habe ich 45 Jahre gearbeitet, dann reicht es.“ „Nein, auf keinen Fall, wenn die Politiker immer reicher werden für den Mist, den sie praktizieren, sehe ich nicht länger ein zu arbeiten, um anschließend in die Kiste zu springen.“ „Ich arbeite Vollzeit in einer Kita und gehe regulär mit 67 in Rente. Soll ich mit 70 noch über den Boden krabbeln? Niemals!“

Etwas moderater gibt ein Leser zu bedenken: „Älter werden heißt nicht, auch noch im Alter leistungsfähig zu sein. Sonst hätten wir ja nicht so viele Pflegekräfte nötig.“
Schließlich bekommt auch Wirtschaftsministerin Katharina Reichel ihr Fett weg. „Ja, Frau Reichel, dann legen Sie mal los und arbeiten richtig, z.B. in der Pflege oder auf dem Bau, und wenn Sie es schaffen sollten, dann dürfen Sie gerne mit 70 in Rente gehen. Aber bitte nur mit Bezügen, die auch ein Durchschnittsrentner erzielt.“ „Dann geh länger arbeiten, und zwar ARBEITEN: Küche, Supermarkt und nebenher noch Minijob Putzen. Wie wär’s?“ „Man sollte mal Frau Reichels Lebenslauf lesen, dann weiß man, wieso sie das fordert. Bei Lidl an der Kasse hätte das anders ausgesehen.“

Am Ende kann man die ganze Wut und Bitterkeit lesen über die Flüchtlingspolitik der vergangenen Jahre. „Wenn ich hier aufschreibe, was mir auf der Zunge liegt, würde man mich sofort sperren“, schreibt ein Teilnehmer. In den wenigen sachlichen Kommentaren heißt es: „Es kann auf Dauer nicht gut gehen, wenn Leute Rente bekommen, die nie hier gearbeitet haben.“ Oder: „Man kann einen solchen Vorschlag in Anbetracht der zunehmenden Lebenserwartung sicherlich diskutieren. Aber! Solange hier viele Millionen Menschen nicht arbeiten und Arbeitslosengeld sowie vor allem auch Bürgergeld kassieren, kann es nicht sein, dass Menschen noch mehr arbeiten sollen, als sie es bisher schon getan haben. Streicht den Arbeitsverweigerern die Kohle, damit sie ihren Ar… hoch kriegen und ihren Beitrag zur Gemeinschaft leisten!“

Und wie sieht meine Meinung jetzt aus? Zugegeben: Ich bin ratlos.
Fotos: pixabay
Guter Beitrag. Auch wenn das unpopulär ist. Die derzeitige Rente ist auf Dauer nicht mehr finanzierbar. Vielleicht sollten wir uns am dänischen Modell orientieren. Dort wird das Rentenalter schrittweise an die allgemein steigende Lebenserwartung angepasst. Dabei muss es aber nach meiner Meinung Ausnahmen für schwer körperlich arbeitende Menschen geben.
LikeGefällt 1 Person
Hallöchen,Ich kann den Unmut verstehen.Arbeiten gehen ist die eine Sache, je nach Arbeitsplatz, morgens sch
LikeLike