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Ausgezeichnet! Der Zugabe-Preis 2025

Beitrag: Sabine Ziesmer

Inka Schneider

Was ist der Zugabe-Preis? Es werden Gründerinnen und Gründer ab 60 Jahren geehrt, die auch im Alter ihren Auftrag darin sehen, die Welt ein bisschen lebenswerter zu machen. Engagement und Innovationskraft sind nicht der Jugend vorbehalten. Auch ältere Menschen können mit ihren Erfahrungen wichtige Beiträge zur Gestaltung der Gesellschaft leisten.

Ich hatte mich sehr auf diese Veranstaltung gefreut. Im letzten Jahr war ich von den Preisträgerinnen und Preisträgern, dem Ablauf der Veranstaltung und der Möglichkeit, bei einem perfekten Catering mit anderen Besucherinnen ins Gespräch zu kommen, begeistert. Nun saß ich wieder vor der Bühne des Lichtwark Theaters im KörberHaus, mit Stift und Block ausgestattet, um mich dann auch später an alles erinnern zu können, was vier Gründerinnen und Gründer zu ihren Projekten zu sagen hatten.

Als ich mich dann vor meinen Aufzeichnungen wiederfand, fühlte ich mich von diesen vielen Fakten und Details einfach nur überfordert. Also rief ich mir die einzelnen Preisträgerinnen und Preisträger mit ihren kleinen, im Nebensatz gefallenen Anmerkungen, ins Gedächtnis. Deshalb beginne ich auch mit Cornelia Sperling und Wolfgang Nötzold, die zusammen ihren Preis für das Projekt „Mäuse für Ältere“ als letzte Preisträger entgegengenommen haben. „Wir haben uns nicht gesucht, aber gefunden.“ Beide hatten nämlich dasselbe Problem: Die Rente reichte im Alter nicht. Diese Erkenntnis führte dazu, dass sie über Möglichkeiten nachdachten, dies zu ändern. Wer sich wie Cornelia Sperling beruflich mehrmals verändert hat, was in unserer Boomer Generation nicht so selten vorzufinden ist, der kann im Alter nicht auf eine üppige Rente hoffen. So entstand das Projekt „Arbeiten im Ruhestand – selbstbestimmt, sinnvoll, bezahlt: Mäuse für Älter e.V.“.  Natürlich stellte die Moderatorin Inka Schneider die Frage nach dem Start in dieses interessante Projekt mit 3000 Abonnentinnen und Abonnenten. „Wenn du weißt, was du willst, musst du machen, dass du hinkommst“, sagten der Kölner und Frau Sperling. Sie ist Mut- Macherin mit „Luft unter den Flügeln“. Eine tolle Metapher. Mich wundert es nicht, dass den beiden Preisträgern das Lied „You get what you want“ (Julian Lennon) vom Lounge Jazz Hamburg gespielt wurde.

Ein Projekt, dass den Bedürfnissen älterer Menschen ähnlich gut entspricht wie die „Mäuse für Ältere“, wurde von Karin Demming ins Leben gerufen. Mit dem Lied „Feeling good“ von Michael Buble wurde sie als erste Preisträgerin auf der Bühne begrüßt. Für diese temperamentvolle und mit großer Strahlkraft ausgestattete Gründerin sehr passend. Viele ältere Menschen stellen sich irgendwann die Frage, wie ein adäquates, altersgerechtes und bezahlbares Wohnen aussehen sollte und wie es zu realisieren ist. Will man nicht mehr allein leben in der großen Wohnung, sucht man nach einem Mehrgenerationen-Haus mit Kontakt und Privatsphäre, oder ist die Alten- WG eine Option. Auf der Plattform „Digitales Matching für nachhaltiges Wohnen in Gemeinschaft: bring-together.de/ Patchwork Communities GmbH“ kann man zueinanderfinden: Angebot und Nachfrage.  Frau Demming hat alles auf die rote Karte gesetzt und es geht tatsächlich immer noch mehr. So beschreibt sie ihren Start als Gründerin. Aus der Immobilienbranche kommend, kennt Frau Demming sich gut aus. 2024 hat es in 6600 Fällen ein „Match“ gegeben. Volltreffer für Seniorinnen und Senioren, die nachhaltig leben, teilen und selbstbestimmt bleiben wollen. Das ist ein beachtlicher Erfolg.

Der Arzt Dr. Martin Buchholz hat auch ein sehr lebensnahes Projekt initiiert. Er gründete die Bewegung „Herzretter Trainings gGmbH“, um Leben zu retten. Erwachsene und Kinder erwerben in entsprechenden Trainingseinheiten das Wissen und den Mut, im Falle eines Herzversagens eine Reanimation durchzuführen. Vom Vorschulkind bis zum Rentner sollten alle in der Lage sein, kritische Situationen zu erkennen und schnell zu handeln. Im Alter von 66 Jahren erlitt er selbst einen Herzinfarkt. Nun will er mit seinem Wissen als Arzt und Betroffener dazu beitragen, Hindernisse abzubauen und Vertrauen zu stiften. 70 000 Menschen könnten noch leben, wenn viele Menschen gelernt hätten, mutig einzugreifen. In Hamburg gibt es bereits 50 Herzretter-Schulen. Mit Hilfe des ersten Bürgermeisters Peter Tschentscher soll Hamburg Herzretter-Stadt werden. Prüfen-Rufen-Drücken. Einfach, effektiv und angstfrei soll es sein. Was treibt ihn täglich an, dieses Projekt bekannt zu machen? Dr. Buchholz antwortet mit wenigen Worten: Alter beflügelt. „Help“ von den Beatles untermalt die Übergabe des Preises.

Was nehme ich von diesem Abend mit nach Hause? Man kann immer etwas ändern, aber ändern braucht viele.

Fotos: Sabine Ziesmer

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