Beitrag: Helmut Marquardt

In der Nordsee fanden sie zusammen,
die platte Scholle und der dicke Dorsch.
Der Schollen Herz sogleich stand lichterloh in Flammen,
denn sie wusste, so ein Dorsch ist unglaublich forsch.
Dieser auch nicht lange fackelt,
kurz mit seinen Kiemen wackelt
und auf dem Weg zum Nordseegrunde
reicht er die Flosse ihr zum Bunde.
Alsdann ging’s ab in Richtung Küste,
wo er ein stilles Plätzchen wüsste.
Da sprach die Scholle, sag mal ehrlich,
ist das für uns nicht zu gefährlich.
Der dicke Dorsch verzieht nicht eine Kieme,
sagt der Scholle dann mit ernster Miene
Seit vielen Jahren schwimm ich hier in Gruppe
und niemand hat bisher gekrümmt mir eine Schuppe.
Du kannst mir glauben, ich weiß es besser,
dies hier ist ein sicheres Gewässer.
Die Scholl fasst allen Mut zusammen
und alsbald sie dann in Richtung Küste schwammen.
Allerdings schon auf dem Weg dort hin,
wurd’ der Dorsch dann sehr intim.
Und es staunt nicht schlecht die Scholl, die platte,
was der Dorsch alles so in petto hatte.
Jedoch nur kurz währt dieses Techtelmechtel,
mit seinem Kutter naht der Fischer Prechtel.
Die beiden sich im Netz verfingen
und fortan getrennte Wege gingen.
Sie macht Karriere als Scholl vom Kutter,
garniert mit Kräutern in zerlassner Butter.
Ihm geht es auch nicht sehr viel besser,
zerlegt mit einem scharfen Messer,
doch anstatt auf einem Teller
landet er im Tiefkühlkeller.
Das Techtelmechtel jedoch nicht ohne Folgen blieb,
und manch Fischer sich verdutzt die Augen rieb,
denn man fängt heut außer Scholl und Dorsch
in der Nordsee einen Fisch und der heißt Schorsch.
Bild: Jürgen Sakuth, generiert mit KI