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Auch die Älteren sind gefordert

Beitrag: Boike Jacobs

Ein „freiwilliges Gesellschaftsjahr für die jüngere Generation“ forderte der bekannte Schriftsteller Bernhard Schlink vor zwei Jahren und vermied damit das ungeliebte Wort „Wehrersatzdienst“. Prompt bekam er Antwort von Ben Jagasia, damals 17-jähriger Schüler, der in der Wochenzeitung „Die Zeit“ erklärte, er mache das gern, „allerdings nur, wenn dies auch für die ältere Generation gilt“. Das ließ aufhorchen, von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wurde er zu einem Gespräch eingeladen. Und auch ins KörberHaus lud Annalena Jonetzko ihn ein, seine Thesen vorzutragen und gemeinsam mit Jens Kreuter, dem ehemaligen Bundesbeauftragten für den Zivildienst, sowie dem Publikum darüber zu diskutieren.

Ein spannendes und hochaktuelles Thema, zu dem erfreulich viele Gäste in den KörberSaal kamen. Was aber habe ich selbst zu dieser Aufforderung zu sagen? Vor allem dies: Der junge Ben Jagasia kann sich verständlicherweise noch nicht vorstellen, was es bedeutet, 50 Jahre Arbeitsleben hinter sich zu haben. Viele Menschen in diesem Alter sind erschöpft und fühlen sich nicht mehr in der Lage, ein Jahr lang tagtäglich kranke Menschen, Schülerinnen und Schüler oder Kleinkinder zu betreuen, obwohl auch ihnen klar ist, wie dringend hier Unterstützung nötig ist. Nicht nur in der Pflege wird Hilfe gebraucht, und sei es nur durch wöchentliche Besuche. In den Schulen fehlen Lehrerinnen und Lehrer, die Sport, Musik oder Zeichnen unterrichten können – Fächer, die bereits an vielen Schulen ausfallen. Leselernhelfer und Menschen, die Hausaufgaben betreuen, werden gesucht. Schließlich sei noch auf Büroarbeiten hingewiesen, die auch aushilfsweise übernommen werden können.

„Es ist schön für uns Ältere, mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten.“ Foto: Haus im Park

Tatsächlich gibt es eine große Zahl an Rentnerinnen und Rentnern, die sich durchaus fit fühlen. Immerhin sind heute viele Menschen mit 63 oder 65 Jahren noch gesund und unternehmungslustig, ja, sie hängen an ihrer Arbeit, die ihnen einen geregelten Tagesablauf und viel Bestätigung gebracht hat. Sie könnten, was heute noch nicht überall möglich ist, problemlos in ihrem Beruf bleiben, so lange sie sich dazu in der Lage sehen. Ich musste mit 67 Jahren aufhören und hätte trotzdem noch gerne einige Jahre lang weitermachen können und wollen.

Ebenso wie mir ging es offenbar den vielen Ehrenamtlern, die zum Treffen im KörberHaus gekommen waren. Für ihre so nötigen Arbeiten sollte, so die überwiegende Mehrheit im Publikum, noch viel mehr geworben, sollten noch viel mehr Anreize gegeben werden – auch materielle. Die Aussagen der Ehrenamtler sind jedenfalls ermutigend: „Es ist schön für uns, mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten“, hieß es da etwa. Die neue Aufgabe nach dem Arbeitsleben sei keine Belastung, sondern ein Geschenk. „Nichts erfüllt mehr, als gebraucht zu werden.“

Ein anregender Abend, an dem neue Ideen entwickelt wurden, die hoffentlich eines Tages umgesetzt werden können.

Fotos 1 und 2: KörberHaus

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