Beitrag: Boike Jacobs

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Ohne sie würde das Sozialwesen wohl einbrechen, denn seit vielen Jahren sind Frauen und Männer im Ehrenamt unschätzbare Hilfen. Das wird auch im KörberHaus täglich sichtbar und spürbar. Es sind zumeist Rentnerinnen und Rentner, die sich mit Herz und großer Einsatzbereitschaft engagieren, keine speziell Ausgebildeten, sondern Menschen mit Lebenserfahrung und viel Geduld. Was aber, wenn das bisweilen nicht ausreicht, wenn also Helfer Hilfe benötigen? Konkret gesagt: Was tun, wenn ein Kind, das man beim Lesenlernen unterstützt, ständig unruhig und laut ist? Wenn Verabredungen nicht eingehalten werden? Wenn ein an Demenz Erkrankter unvermutet aggressiv wird? Wenn die Umwelt Ehrenamtlern und ihren Schützlingen mit Spott begegnet? Wenn die Begleitung eines Sterbenden zur seelischen Überlastung wird? Und ebenso: Wenn die öffentliche Verwaltung ständig ausbremst? Das KörberHaus gab daher Ehrenamtlichen die Möglichkeit, von ihren Anliegen zu erzählen und Hilfe zu bekommen durch Imme Bruß, Trainerin für Projektmanagement. Und als die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Beginn des Treffens im FreiRaum aufschrieben und erzählten, in welchem Bereich sie ehrenamtlich arbeiten, gab es für mich die erste große Überraschung: Ausnahmslos alle engagieren sich in mehr als einem Ehrenamt.
Und das nicht nur in der Seniorenberatung oder der AWO, der Leselernhilfe und der Schülerhilfe, da wurden Organisationen genannt, von denen ich noch nie gehört hatte: Hamburger Energietisch HET, der sich für die Umsetzung der Energiewende in Hamburg einsetzt. Wissenschaftler für die Zukunft S4F, die Klimawandel und Umweltbelastung erforschen. Hamburger Kulturschlüssel, der Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringt. Stiftung to Huus, die Geflüchteten bei der Wohnungssuche hilft, Blindenassistenz und Fürsorge für Obdach- und Wohnungslose. Aber ebenso in einem Tischtennisclub, einem Computerclub, einer PC-Hilfe stellen Ehrenamtliche Zeit und Wissen zur Verfügung.


Fotos: Imme Bruß
Nicht alles, was Imme Bruß bei diesem Treffen erläuterte, werden die Teilnehmenden bei ihrer Arbeit umsetzen können. Hilfreich aber waren auf jeden Fall fünf Strategien, die Beziehung zu anderen und zu sich selbst zu entstressen: 1. Sei achtsam mit Deinen Worten. 2. Nimm nichts persönlich. 3. Frage nach. 4. Gib immer Dein Bestmögliches. 5. Sei skeptisch, aber höre gut zu.
Stress, Unsicherheit, Erschöpfung, Enttäuschung. Das und noch mehr haben wohl alle ehrenamtlich Tätigen schon erlebt. Umso positiver und ermutigender die Motivationen, trotzdem nicht aufzugeben. Den Grund dafür schrieben die Teilnehmenden bei diesem Treffen auf bunte Zettel: „Kleinste Erfolge bei der Integration.“ „Freude, andere für etwas zu begeistern.“ „Miteinander an Herausforderungen wachsen.“ „Konstruktiv wirken.“ „Nette Menschen kennenlernen.“ „Dankbarkeit erfahren.“ Ein Teilnehmer brachte es schließlich auf den Punkt: „Ehrenamt macht einfach Spaß!“