Beitrag: Boike Jacobs

Freudige Überraschung beim Projekt „Generationenwerkstatt“, zu dem das KörberHaus vor zwei Jahren zum ersten Mal einlud. Ältere Ehrenamtliche saßen mit Schülerinnen und Schülern der GSB an verschiedenen Tischen und arbeiteten über Stunden Projekte aus, die gemeinsam entwickelt werden sollten. Ich hatte den besten Tisch erwischt, denn die 17-jährigen Jugendlichen entschieden sich dafür, Pflegekräfte in Krankenhaus oder Altenheim zu unterstützen. Welche Institution und welche Menschen dafür geeignet wären, sollte bis zum nächsten Treffen herausgefunden werden. Da wollte ich gerne mithelfen.
Traurige Überraschung beim zweiten Treffen. Ausgerechnet dies Projekt der „Generationenwerkstatt“ wurde gestrichen – zu schwer, zu gefährlich, zu belastend, hieß es auf einmal. Das war nun, so dachte ich, das Ende der schönen Initiative. Aber ich lag falsch.
Monate später erhielt ich einen Anruf von Hassan (Name geändert), einem syrischen Schüler, der sich beim ersten Treffen eher zurückgehalten hatte. Ob das Angebot noch gelte, fragte er mich. Auf das Zeugnis werde es sich positiv auswirken, wenn er eine ehrenamtliche Arbeit vorweisen könne, und darum würde er gerne mit mir einen Menschen im Pflegeheim besuchen. Sein Motiv war eher ernüchternd, fand ich, aber ich nahm ihn schon wenige Tage später mit.
Kurz und gut: Vom ersten Augenblick an ging Hassan wunderbar um mit meiner ehemaligen Nachbarin, die an Demenz erkrankt war und keine Angehörigen hatte, die sie besuchen konnten. Seine ruhige Freundlichkeit, seine Fähigkeit zuzuhören und mitzufühlen schuf sofort eine Verbindung zwischen der alten Dame und dem jungen Schüler. Sie erzählten einander ihre Lebensgeschichten, ihre Probleme im Alltag, und am Ende redeten sie sogar über ihre Religion. Zwei Wochen, bevor sie starb, war Hassan ein letztes Mal bei ihr.
Bis dahin hatten wir selbst schon viele weitere Treffen, weil er Hilfe brauchte bei den Hausaufgaben. Und vor einem halben Jahr tauchte nach bestandenem Fachabitur die drängende Frage auf, welchen Beruf er ergreifen sollte. Hassan stammt aus einer Arbeiterfamilie, aber er lebte allein in Bergedorf und musste allein Entscheidungen treffen. Zwei Versuche, eine Lehre als Klempner oder als Maler zu beginnen, schlugen fehl – er sei einfach nicht geschickt genug, erklärte man ihm.
So niederschmetternd das im ersten Augenblick war, Hassan erinnerte sich nun an seine Besuche im Pflegeheim, machte dort ein Praktikum und fand endlich volle Anerkennung. Beliebt bei den Bewohnern, dem Pflegepersonal und der Heimleitung, bekam er sofort das Angebot, eine Ausbildung zur Pflegefachkraft zu machen. Mit Freude und Stolz hat Hassan den Vertrag dafür unterschrieben und wird am 1. April mit der Arbeit beginnen.
Freude und Stolz auch bei mir und Dankbarkeit für das zweimalige Treffen im KörberHaus. Es ist zwar anders verlaufen, als ich es mir vorgestellt hatte, aber trotzdem kann ich sagen: Das Projekt „Generationenwerkstatt“ ist gelungen.
Foto: Claudia Höhne