Geschichten und Gedichte, Wissenswertes

Alles Geschmacksache

Beitrag: Edith Kalisch

Gefüllte Heißwecken

Dresdner Stollen. Alles rutscht in die Erinnerungskiste.

Das Jahr neigte sich dem Ende zu. Der Januar dauerte und dauerte. Nun lockt der Februar mit Helau und Alaaf. Die sogenannten tollen Tage. Das reizt mich zwar nicht so sehr. Aber davor, davor gibt es Leckeres. Die gefüllten Heißwecken! Es heißt aufpassen. Nicht, dass man es verpasst. Den Blick zur Kuchenvitrine lenken. Lange gibt es diese Köstlichkeit nicht. Nur bis zum Aschermittwoch. Warum eigentlich?

Die Heißwecken sind schon seit dem Spätmittelalter beliebt. Überwiegend im nördlichen Deutschland. Sie wurden vor Ostern in der Fastenzeit gegessen. Aber eher nur von Rosenmontag bis Aschermittwoch. Na, das vergessen wir mal ganz schnell. Wir wollen ja sowieso nicht fasten.

Ich lese darüber, dass es viele plattdeutsche Namen für das feine Milchbrötchen gibt. Bei Wikipedia wird berichtet, dass in Hamburg und Altona Verwandte und Bekannte zu diesem heißen Frühstück geladen wurden. Ja, selbst die Schweden liebten oder (ich weiß es nicht) lieben dieses Gebäck auch noch heute.

So, nun genießen wir sie. Jetzt! Heute! Daran denken, nur bis Aschermittwoch. Dann warten wir wieder auf das nächste Jahr. Sicher, man könnte sie auch selbst backen und mit Sahne füllen. Aber, auch das habe ich gelesen, sie wurden seit jeher von den Bäckern gebacken (nach einem Geheimrezept). Also nicht selbstgebacken. Dann halten wir uns mal daran. Bloß nicht ein Ritual brechen.

Aber es ist nicht vorbei. Das Schlemmen. Wie ich schon schrieb. Wir haben Februar. Nun kommen die Stinte in unsere Elbe. Sie wagen sich wieder. Unser Fluss ist sauber genug. Zumindest reicht ihnen diese Sauberkeit für das Ablaichen. So machen sie sich in großen Schwärmen nach ca. 10 Monaten auf den Weg zu den Küstengewässern. Prüfen die Wassertemperatur. Sie mögen es nicht unter neun Grad, und sie gehen – nein – sie schwimmen ins Risiko. Dabei könnten sie bis zu sechs Jahre alt werden. Wenn die Fischer, die Angler ihrem Leben nicht den Garaus machen.

Doch einige Zeit mussten wir auf den Genuss der kleinen Stinte verzichten, weil die Elbe zu dreckig war. In diesem Jahr stehen die Gerichte der in Roggenmehl gebratenen oder in sauer eingelegten Fischchen wieder auf der Speisekarte einiger Restaurants.

Da gelüstet es uns.

Bis April können wir schlemmen.

Fotos: Edith Kalisch

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