Dort gibt es auch etwas zu sehen
Beitrag: Elisabeth Hartmann
Zur Erholung nach anstrengender Besichtigung gehe ich ins Museumscafé. Einen Pott Kaffee dazu ein Stück Blechkuchen gibt es für 6.20 €, und „Zahlung ist nur mit Karte möglich”. Die junge Frau, die den Kaffee einschenkt und den Schokoladenkuchen auf den Teller legt, sagt Bitte, Danke, Guten Appetit und Wiedersehen ohne aufzublicken. Ich finde einen guten Platz am Rande. Aber ich gucke nicht etwa einen Ausstellungskatalog an sondern beobachte die Leute und lasse dabei meiner Phantasie freien Lauf.

Da sitzen alte Eltern mit ihrem 43jährigen Sohn. Die Eltern sind ordentlich angezogen, der Sohn nachlässig. Die Eltern sagen dazu nichts mehr, sie sind froh, dass der Sohn mit ihnen seine Zeit verbringt.
Eine alte Dame kommt mit Gehstütze rechts, sie hat einen weißen Pagenkopf, helle Kleidung und zwischen Hose und sicheren Schuhen sind Söckchen mit dem Motiv des Wanderers über dem Nebelmeer von C.D. Friedrich zu sehen. Hinter ihr schlendert eine junge Frau mit langen, schwarzen Locken und in schwarzer Kleidung hinein, die Hosen sind kurz, die Knie braun. Die alte Dame besorgt sich Kaffee und Kuchen und setzt sich damit allein an ein Tischchen. Später hält sie ein Schwätzchen mit einem Pause machenden Museumswächter, sie ist bekannt hier.
Die junge Frau setzt sich zu drei anderen jungen Leuten. Sie unterhalten sich träge und stehen schon bald wieder auf. Das sieht nach Kaffeepause von freien Mitarbeitern aus.

Zwei gut aber salopp gekleidete Herren im Rentenalter verlassen plaudernd das Café, frisch gestärkt können sie sich nun noch etwas im Museum angucken. Der Eintritt ist schließlich nicht billig.
Am Nebentisch erklärt ein Mann seiner Frau die Kunst William Blakes: „Er war ein Revolutionär!”

Auch Personal macht Pause oder durchquert das Café. Museumspersonal erkennt man an schwarzer Kleidung und zügigem Schritt. Wobei das spezifische Museumspersonal (wissenschaftliches, pädagogisches, künstlerisches und Personal aus dem Management) etwas schneller geht als Museumswächter*Innen, Shop- und Restaurantmitarbeiter*Innen. Und wer einen Kaffee trinkt guckt auf die Uhr.
Der Geschirrabräumer kommt. Er geht als wolle er gleich ein Sofa verladen. Mit Geklirr packt er abgegessene Teller und Tassen auf einen dreistöckigen Rollwagen. Während er die Tische abwischt guckt er in die Weite als erwarte er jemanden. Aber da kommt niemand, den er kennt.

Mein Kaffee und mein Kuchen sind alle, ich bringe mein Tablett dem Mann, der das Geschirr abräumt, er sagt Danke, und ich mache mich auf in den Museumsladen, wo es viele schöne Sachen gibt, die man eigentlich nicht braucht, aber ich gebe fast 25 Euro aus.

Text und Fotos: Elisabeth Hartmann
Die Bilder sind Ausschnitte aus einem Video zur Ausstellung William Blake in der Hamburger Kunsthalle
Sehr lebensnah und interessant.
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