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N e u s t a r t

Beitrag: Sabine Ziesmer

Es ist Sonntag, der 28. April, als sich am Lichtwarktheater im KörberHaus eine große Anzahl vergnügter Menschen mit verschiedensten Getränken vor dem Schmidtchen versammelt. Um 17.00 Uhr wärmt die Nachmittagssonne noch kräftig und so drängt sich die Frage nach der Art der augenscheinlich bevorstehenden Veranstaltung auf. Heute wird der Kabarettist Florian Schroeder in Bergedorf erwartet und das Lichtwarktheater ist ausverkauft. Die Aufführung soll um 18.00 Uhr beginnen. Eine bemerkenswerte Tageszeit für diesen Anlass. Auch Florian Schroeder wird sich noch mit dem ihm eigenen Humor diesem Umstand widmen.

Foto: Website KörberHaus

Dieses moderne und besonders schöne Gastspieltheater bietet für nahezu jedes kulturelle Interesse verschiedenste Angebote im Bereich Kabarett, Schauspiel, Comedy und Musical. Auf 458 Plätzen scheint man der Bühne und den Interpreten immer nahe kommen zu können. Die Körber-Stiftung bietet mit diesem modernen Theater auch Laienbühnen, Schulen, Sport- und Kulturvereinen, Menschenrechtorganisationen oder migrantischen Communities die perfekte Bühne für bunte und vielfältige Präsentationen. Auf der Website > Koerberhaus.de/lichtwarktheater < findet man einen besonders wichtigen Hinweis darauf, dass es bei der Unterstützung der verschiedenen Organisationen auch darum geht, gemeinsam für Demokratie und Dialog einzutreten und Kultur erlebbar zu machen.

Wahrscheinlich ist dem Kabarettisten Florian Schroeder gar nicht bewusst, dass er mit seinem Programm Neustart – Neue Demokratie wagen! auf einer dafür speziell gedachten Bühne auftreten wird. Zunächst einmal äußert er sich zu dieser ungewöhnlichen Nachmittagsstunde und glaubt den Grund dafür mit folgenden Worten auf den Punkt bringen zu können: „Boomer, soweit das Auge reicht. Da sind dann alle rechtzeitig wieder zuhause.“ So unrecht hat er ja nicht, der Altersdurchschnitt im Lichtwarktheater ist tatsächlich eher hoch. Hier und da blitzt ein jugendliches Lächeln hervor und lässt hoffen, dass im Spielplan der kommenden Saison auch Platz für andere Generationen geschaffen wird. Es wäre ein Gewinn für alle, vor allem für dieses charmante Theater.

Foto: Sabine Ziesmer

Für Florian Schroeder ist es Zeit für einen demokratischen Neustart. Er will die demokratischen Strukturen unserer Republik aufzeigen, entlarven und neu „formatieren“, einfach mal den „Reset-Knopf“ drücken. Er lässt die Zuschauer von einem Paradoxon ins andere stolpern und rast mit ihnen der Apokalypse entgegen, in der wir uns ganz plötzlich in der Sehnsucht nach einem neuen Helden wieder- und zusammenfinden. An diesem so besonderen Abend werden wir als Publikum immer wieder hinters Licht geführt, erschrecken vor unserem eigenen Rausch der Begeisterung für Begriffe wie Weltuntergang und Erlösungsversprechen und erstarren in dem Bewusstsein, dass in jedem Wahnsinn eine Wahrheit liegt. Der Applaus ist diesem Theaterereignis und der besonderen Spielstätte angemessen – er ist überwältigend, und wir sind nachdenklich.

Ein bemerkenswerter Neustart war es auch für das Lichtwarktheater. Die erste Spielzeit kann als voller Erfolg gesehen werden. Der Spielplan war mit 54 Veranstaltungen so vielseitig, dass eine große Zahl Besucher in dieses neue Theater gezogen werden konnten. Wir können gespannt sein, was die neue Spielzeit bieten wird – für junge Leute und für die Theaterfreunde mit langjähriger Erfahrung.

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