Aus der Region

Erst auf den zweiten Blick

Beitrag: Edith Kalisch

Das KörberHaus ist schon auf dem ersten Blick zu sehen. Raffiniert angebrachte Kupferlamellen an der Fassade, viel Glas, dass Licht ins Innere des Hauses bringt. Sodass auch das Hamburger Schmuddelwetter die Besucher nicht davon abhalten soll, es zu besuchen. Besser noch, es für Alle zu erobern. Es spiegelt sich in der Bille. Doppelt hält eben besser.

Für die, die es noch nicht wissen: Es ist nur ein kurzer Weg vom Bahnhof hierher. So ca. 99 Schritte. Glaube ich. Ein Weg, ein „Bauweg“, der noch ein richtiger werden soll, von Pflanzen gesäumt wird, bald, bald. Direkt zum Haupteingang. Einige breite Stufen deuten es schon an. Es wird!

Wir betreten aber nun das Haus. Es gibt einen automatischen Türöffner. Aber entweder bin ich zu schwach, oder er ist doch häufiger defekt. Auch das wird sich bessern. Also, egal, ich bekomme die Tür auch mit Muskelkraft geöffnet.

Rechts duftet es nach Kaffee, Musik übertönt das Gemurmel der Gäste. Mich reizt heute das „Schmidtchen“ nicht. Im großen Vorraum mit vielen Pflanzen und Sitzmöglichkeiten, die Bücherhalle, geradeaus der Eingang zum Lichtwarktheater, noch geschlossen, weil zu früh.

Ich habe etwas anderes im Sinn. Nehmen wir die Treppe (Sie kommen doch mit?), sportlich? Oder lieber den Aufzug? Sind schließlich zwei Etagen. Denn mein zweiter Blick befindet sich in der Zweiten. Da gilt es abzuwägen.

Schnell ein Blick zurück. Neulich waren Freundinnen und ich im Körbersaal. Er befindet sich in der ersten Etage. Kurz für die Neugierigen: Lilo Wanders wurde interviewt. Im Rahmen des Themas „Altersbilder“. Es werden immer mal wieder Persönlichkeiten (Prominente) eingeladen. Und wer Lust hat, kommt und hört sich an, wie diese – heißt ja auch „Altersbilder“ – mit ihrem Alter so zurechtkommen. Man könnte auch sagen: Sie machen uns Mut (schließlich könnte man uns auch befragen). Anschließend werden wir noch auf ein Getränk eingeladen, stehen draußen auf dem Flur, plaudern und trinken.

Und blicken mal so „ins Rund“. In diesem Fall auch mal nach oben. Es gibt ja noch eine weitere Etage. Oh, ich entdecke an der großen Wand ein Gemälde, eine Collage? Nein, es ist ein Mosaik. Das muss ich aus der Nähe betrachten. Nun stehe ich davor und staune. Bei Mosaiken ist es so, dass man sich erstmal ein wenig reingucken muss. Also ich. Neugierig schaue ich auf das Schild daneben. Wer hat dieses Kunstwerk erschaffen? Eduard Bargheer. Wow, jetzt haut´s mich um. Ich kenne ihn. Nein, nicht persönlich. Aber ich besuche häufig das Eduard Bargheer Museum im Jenischpark. Immer wieder gibt es neue Ausstellungen von seinem reichhaltigen Schaffen. Aquarelle, Gemälde, Zeichnungen. Aber auch Mosaiken?

Dieses ist ca. 3x5m groß. Serenade. Acht Musiker spielen auf Instrumenten, und links erkennt man singende Musizierende. Wo hatte er die Steine her? Vom Straßenrand, von verlassenen Baustellen oder von der Elbe? (Was wahrscheinlich ist, schließlich lebte er jahrelang in Blankenese.) Sie sind daher oft nicht ganz eben. Dann musste wohl erstmal sortiert, angeordnet, überlegt werden, wohin dieser oder jener passt, um daraus ein Puzzle zu zaubern. Gerne hätte ich ihm bei dem Werden über die Schulter geschaut.

Nun fasse ich mal den einen und anderen Stein an. Mal fällt einer fast aus dem „Rahmen“. Der nächste hält sich zurück. Das macht das Ganze so spannend. Meistens sind Mosaike ja glatt und eben. Hier eben nicht. Gut, anders geht’s auch.

Zuhause mache ich mich schlau. Das Mosaik als Kunst im öffentlichen Raum schmückte schon das Lichtwarkhaus, das dem Neubau weichen musste. Ich war nie dort. s wurde gerettet. Das Mosaik. In sechs Teile zerlegt, katalogisiert, restauriert. Und wie wir sehen, erhielt es in der zweiten Etage einen gebührenden Platz. Obwohl, es käme noch besser zur Geltung in der ersten Etage. Finde ich. Aber was weiß ich schon.

Übrigens, kurz nach dem letzten Krieg hatte Herr Bargheer dieses Thema schon als Aquarell verwirklicht. 1961 dann als Mosaik aufgegriffen. Konnte er ja auch, war schließlich von ihm.

Wahrscheinlich, liebe Leserinnen und Leser, werden Sie die Nase rümpfen und denken: Was, das wusste die Schreiberin nicht? Darüber wurde ausführlich während der Bauphase des KörberHauses berichtet. Bei der Einweihung und einer Führung gründlich besprochen.

Ja, aber ich, ich kannte es nicht.

Fotos: Edith Kalisch

Hinterlasse einen Kommentar