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Stadt, Land, Fluss

Beitrag:  Edith Kalisch

Wer  glaubt, er benötige nun Zettel und Bleistift, irrt sich.

Nein, jetzt ist ein Besuch in unserem Schloss, das seit mehr als 700 Jahren in Bergedorf steht, angesagt. Nicht Prinz und Prinzessin lebten hier, sondern für Herzöge und Beamte galt es als Residenz. Dass das Schloss das einzige erhaltene (in Harburg gibt es noch Fragmente eines weiteren) in Hamburg ist, weiß inzwischen Jeder.

Schon lange beherbergt es auch das Museum des Bezirkes Bergedorf. Kaum lasen wir etwas über den Beginn einer neuen Ausstellung – nämlich “ Stadt, Land, Fluss“ (aha), machten wir uns auf den Weg.

Museum!?   Nicht so voreilig, liebe Leute. Hier ist nichts Verstaubtes, auch wenn die große dicke Tür, die schwer zu öffnen ist, es vermuten lässt. Wir betreten aber nun ein  modernisiertes Foyer (ich nenn´ es mal so). Herrlich sommergrün, die Wände. Der Empfangstresen hat ordentlich Schwung bekommen. Rechts (es geht nur rechts) verhängen Rollos, leicht lichtdurchlässig die Fenster und zeigen zarte Fotos mit Motiven aus Bergedorf.

 Mitten im Raum laden Hocker ein, sich zu setzen. Coole Kopfhörer ans Ohr zu nehmen und zu zuhören. Trauriges, Schauriges erfahren wir. Zum Beispiel von         der  Hexenverbrennung Abelke Bleken aus Ochsenwerder.  Unfassbar.

Im nächsten Raum „Denk ich an Bergedorf“ zeigen Texte und Bilder an den Wänden Sprüche, Aussagen, entsprechende Erläuterungen in Kurzfassung dazu. Denn alles hat seinen Sinn. Wir werden es noch sehen.  Auch hier stehen Hocker herum. Viele. Wofür? An den Seiten befinden sich Löcher. Erst beim zweiten Besuch hatte ich des  Rätsels Lösung. Hier packt man (eher die ganz jungen Besucherinnen und Besucher) seine Klamotten rein, bevor das Schloss erobert wird. Das ist mal eine Idee.

Nun die Treppe nehmen und ein nach dem anderen Raum besichtigen. 

Die wechselvolle Geschichte Bergedorfs ist natürlich ein Thema. Mal gehörte Bergedorf  „Heinrich dem Löwen“. Dann hat der dänische König Waldemar II die Herrschaft übernommen. Er wurde von norddeutschen Fürsten besiegt. Und so geht es weiter. Ich will es nicht alles vorwegnehmen, denn es ist  ja nachzulesen.

Es verging also viel, viel Zeit bis Bergedorf endlich durch das Groß Hamburgische Gesetz (1937) Hamburg wurde.

Tja, aber irgendwie sagen wir doch, „Wir fahren heute mal in die Stadt“, wenn wir denn fahren.

Die Räume sind nach Themen aufgeteilt.

Dracht

Eben noch befinden wir uns in der Geschichte, die ich oben ein wenig erwähnte, schon betreten wir den Garten Hamburgs, nämlich die Vier- und Marschlande. Übrigens, Bergedorf besteht inzwischen aus 14 Stadtteilen, wobei natürlich das Landgebiet einen großen Teil ausmacht. Werkzeuge hängen an der Wand, von deren Bedeutung und den Namen ich noch nie etwas gehört hatte. Die „Dracht“ oder die „Wasserschaufel“.

Man ließ sich etwas einfallen, um sich die schwere Arbeit auf Acker, Wiesen, in Gärten zu erleichtern. Schließlich wurde Kohl angebaut, dicke Tomaten wurden gezüchtet, die duftenden Maiglöckchen gepult, Rhabarber unter Hauben versteckt. Mal kurz setzen? Kopfhörer auf und sich von Menschen, die hier leben, erzählen lassen, was ihnen in Bergedorf so gefällt. Anhören!

Den Hebel bedienen und Erzeugnisse des Landgebietes ansehen

Aber lasst uns weitergehen. In jedem Raum erfahren wir Vergangenes. Sind wir nun schon eine Stadt von Welt, haben uns vom Dorf zur Metropole entwickelt? Nun, es wurden (und werden bis heute) die Märkte in Hamburg mit gesundem Gemüse, mit leckerem Obst und herrlichen Blumen versorgt. Auch wenn die Erdbeeren nicht stückweise verkauft werden.

Ein trauriges Kapitel lässt uns verstummen. Der Raum ist etwas düster. Wie auch die Zeit, von der erzählt wird. Den beiden Weltkriegen  mit ihren Folgen. Texte, Berichte von Menschen. Karteikarten, mit Angaben  über die Tätigkeit der Kriegsgefangenen in den Fabriken (nicht nur dort). Über das KZ Neuengamme.

Betroffen lassen wir diesen Raum nun hinter uns.

Bergedorfs Wirtschaft brummt (wir sind noch in der Vergangenheit). Das Eisenwerk, die Nagelfabrik, Glas- und Stuhlrohrfabrik. Nichts ist mehr vorhanden. Durch die Globalisierung gab bzw. gibt es günstigere Märkte. Ja, und so verschwanden auch Fabriken, wurden dem Erdboden gleichgemacht. Der Bedarf an Wohnungen steigt. Neubauten müssen her.  Denn Bergedorf wächst und wächst.

Zum Abschluss doch nochmal ein Thema , das Spaß macht. Kurzweil und Pläseer. Bergedorf geht shoppen –  „erstmal sehen, was Penndorf hat“. Das Sachsentor wird Einkaufsmeile. Es wird gefeiert. Schützenfeste und Erntedank  im Landgebiet, Laternenumzüge, LiLaBe, Wutzrock, Jugendclub, Bergedorfer Stadtfest.

Habe ich etwas vergessen? Nein, ich will nichts vorwegnehmen, sondern Neugier wecken. Es ist einfach ein „Muss“, diese Ausstellung zu besuchen.

Und ein Geheimtipp (ist ja bald Weihnachten)! Wer für sage und schreibe 25 Euro Jahresbeitrag Mitglied  „der Freunde des Museums für Bergedorf und die Vierlande“ wird, der hat die Möglichkeit sieben Museen unserer Stadt ebenfalls zu besuchen, ohne noch einmal Eintritt zu zahlen.

Na, wenn das nichts ist.

Fotos: Edith Kalisch

Ein Gedanke zu „Stadt, Land, Fluss“

  1. Na dann Mal los, Vielen Dank für diesen Beitrag das werde ich mir in meinem Kalender notieren. Ich möchte auch so eine Reise im Bergedorfer Schloss machen. Liebe Edith, vielen Dank für deinen schönen Beitrag

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