Beitrag: Edith Kalisch
Es ist ewig her als ich noch ein Kind war. Ich erinnere, dass es zuhause manchmal Makkaroni zum Sonntagsessen gab. Vornehmlich zum Gulasch. Diese Nudeln wurden nicht al dente gekocht. Nicht nur, weil dieses Wort in unserem Vokabular fehlte, sondern weil alles ganz gar sein musste. Also weich. Auch das Gulasch lag eher faserig auf dem Teller. Nur die Fettstückchen, die blieben ganz labberig.
Damals wurde versehentlich schon nachhaltig gekocht. Nicht so schieres Gulasch, wie wir es heute zu essen pflegen. Aber die Fernsehköche weisen uns schon darauf hin, dass das Fleisch marmoriert sein sollte, weil es dann saftiger ist.

Nee, diese Stücke wollten so gar nicht in meinen Magen. An den Tellerrand legen, war verpönt. „Vielleicht wirst du dir danach noch einmal die Finger lecken“, hieß es dann. Nun, die Eltern hatten die „schlechte Zeit“ noch nicht vergessen.
Die Nudeln waren weder bei meiner Schwester noch bei mir beliebt. Tja, selbst unser Vater meinte dann: „ Mit Kartüffel har es mir doch beter geschmeckt.“ Das Thema Nudel war damit erstmal vom Tisch.
Nicht ganz. Jetzt wurde, ganz neu, Dr. Oetkers Kochbuch konsultiert. Und da gab es einen Nudelauflauf. Die Makkaroni (später diese gedrechselten Dinger) wurden erstmal, man ahnt es, weich gekocht, bekamen ein Bett in der Jenaer Glasauflaufform, wurden mit verquirlten Eiern ummantelt. Die Tomatensauce bestand aus Tomatenmark und Ketchup. Es schmeckte säuerlich und gleichzeitig süßlich.
Wenn ich mir vorstelle, wie wir heute die Schalotten (nicht Zwiebeln!) leise im Topf in einem Hauch von Olivenöl schmelzen lassen und eine Knoblauchzehe, feingeschnitten hinzufügen. Etwas Oregano, natürlich! Und bitte sehr gern die Tomaten aus der Dose dazugeben. Ja, die sind sonnengebräunt. Wirklich, eine Ausnahme. Sonst verwenden wir ja kaum noch Speisen aus der Dose. Deckel drauf, und möglichst eine halbe Stunde, besser noch eine Stunde, köcheln lassen. Ja, und da sagen unsere Eltern immer, es müsse heute alles so „husch, husch“ gehen. Stimmt nicht. Wir sind schließlich Gourmets.
Ich schweife ab. Um es auf den Punkt zu bringen: Den Auflauf mochte ich auch nicht.
Krüsch war ich.
Foto: Privat
Während ich den lustigen Beitrag lese, steigt mir der Nudel-Geruch wieder in die Nase. Bei uns gab es das Gericht mit untergerührtem Ei und ein wenig durchwachsenem Speck. Sehr viel später wechselte diese Variante dann ab mit untergerührtem Tomatenmark – das schmeckte zwar „apart“, wie meine Tante zu sagen pflegte, aber so richtig mochten wir sieben Geschwister es trotzdem nicht. Das Rezept, das Du anhängst, klingt sehr viel leckerer, ich werde es bei Gelegenheit ausprobieren.
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