Text und Fotos: Edith Kalisch
Es ist weder Sonntag (oder Zufall). Nicht abends (oder Zufall). Auf gar keinem Fall Couch, Sessel und gemütliches Zurücklehnen. Und – ganz wichtig – das Fernsehgerät hat Pause.
Aber trotzdem Krimi!
Krimidinner gibt es schon seit langem. Nun auch bei uns. Es ist ganz einfach. Es gibt in Buchhandlungen oder Spielwarengeschäften entsprechende Vorlagen. Wir haben uns für ein mörderisches Klassentreffen entschieden. Wir sind ja schon ein paar Jährchen älter, haben so einiges erlebt. Berichten davon. Versuchen bei den früheren Mitschülerinnen und Mitschülern ein bisschen anzugeben. Also ganz wie im richtigen Leben.
Es gilt natürlich etwas vorzubereiten.
Wir hocken zusammen. Wir zwei. Erst einmal stellt sich die Frage: Wer hat Lust mitzumachen? Zum Glück kennen wir so einige Leutchen, die wir überzeugen müssen. Unbedingt. Wir sind uns sicher.

Nun den Karton öffnen. Den Partyplaner, in Form eines kleinen Heftes entnehmen und lesen. Die Anleitung für das Gelingen unseres Dinners, äh, Krimidinners. Es gibt Einladungskarten, auf denen die Rollen kurz beschrieben sind, und die nun verteilt werden müssen. Wir sind fair. Fertigen Lose an. Ein Kärtchen, ein Los (ohne hinzugucken). Schon ist eine Mitspielerin festgelegt. Es gibt Hinweise, wen man darstellen soll. Vorschläge für ein bisschen Verkleidung usw.

Nur die Gastgeberin kennt ihre Rolle. Sie ist für alles verantwortlich. Zwischendrin wird es natürlich auch ein Dinner geben. Da müssen wir uns etwas Leckeres ausdenken.
Endlich ist es soweit. Die Lehrerin (die Gastgeberin) empfängt uns. Wir begutachten uns gegenseitig. „Hei, wie siehst du denn aus?“ Lachen und die vorgeschriebenen Plätze einnehmen. Es werden die Rollenhefte verteilt. Ja, aber erst einmal wollen wir frühstücken. Die eine oder andere Schülerin luschert schon mal in ihr Rollenheft. Nur vorne an. Gestärkt sind wir. Jetzt geht’s richtig los.
Nachdem die Lehrerin die Tote entdeckt hat, werden nun Fragen über Fragen gestellt. Schauspielerisches Können ist nicht erforderlich. Aber es ergibt sich von selbst. Wir geben alles! Die eine oder andere Freundschaft wird aufgekündigt. Fakten werden aufgezeigt. Wer ahnt etwas? Eine geraume Zeit ist vergangen. Der Hunger auf ein kleines Mittagessen lässt uns wieder zusammenkommen. Um es mal zu verraten, Currywurst und Pommes wie beim Tatort gibt es nicht. Aber unsere Gedanken kreisen und kreisen. Endlich wird wieder ermittelt. Jede von uns hat so ihre „Favoritin“, der sie die Tat zutraut. Nur die Mörderin ist so etwas von „cool“. Wir hätten es merken müssen.
Die Zeit, die Zeit vergeht. Schon das letzte Mal gibt es etwas zu essen.

Und nun! „Butter bei die Fische“. Jede schreibt ihren Verdacht auf einen Zettel. Ich habe vergessen, wer von uns Recht hatte. Eines weiß ich, ich war es nicht.