Dieses und Jenes

Gedächtnisstütze

Beitrag: Edith Kalisch

Lesestunde vorm Einschlafen. Ich sitze vorsichtig in einer Ecke des Hochbettes, das vor lauter Gewühle von Janosch hin und her geruckelt wird. Es werden Kissen drapiert, Kuscheltiere verteilt. Es dauert. Schließlich will er es ja gemütlich haben. Es knarzt und knackt. Meine Bedenken, dass irgendwann das Bett bestimmt zusammenkracht, werden mit einer empörten Bemerkung weggewischt. „Das hat Papa gebaut!“ Ja, wenn Papa es gebaut hat, können wir wühlen. Ich bin aber weiterhin vorsichtig. Schrauben könnten sich lösen zum Beispiel. Ich sag´ nichts mehr.

Endlich kann ich mit dem Vorlesen beginnen. Es wird die Lesezeit ausgehandelt. Da wird um Minuten gefeilscht.

Ich lese vor. Janosch gibt Kommentare zu einzelnen Szenen. Daran merke ich, dass er aufmerksam zuhört, obwohl er weiterhin das eine Kissen hierhin verlegt oder fast unter der Bettdecke verschwindet. Es ist schon ein ziemliches „Gewoddel“ hier oben.

Aber solange er zuhört …

Die ausgehandelte Lesezeit ist um. Noch vier Minuten. Früher beenden ist nicht erlaubt, bei Überlänge wird gnädig ein Auge zugedrückt. Da ist Janosch sehr kulant. So ist die Welt.

Nun wird sich gemerkt, auf welcher Seite wir morgen weiter lesen werden. Wir könnten ein Lesezeichen zwischen die Seiten legen. Es liegt aber gerade in einem anderen Buch, das darauf wartet, auch gelesen bzw. weitergelesen werden muss. Entweder von Mama oder Papa. Jede Vorleseperson hat so ein eigenes Leseprojekt. Rituale.

Wie merken wir uns nun die Seite? Jeder hat eine Idee. Zum Beispiel vierzehn (die Seite war schließlich auch mal dran). Also vierzehn, ganz klar, vierzehn Tage. Nun sind wir aber schon über hundert. Hundert? So easy. Das kann man sich sehr gut merken. Aber Hundertdreißig? Gut, hundert plus April, der hat dreißig Tage. Und in dem Monat hat Janoschs Mama Geburtstag. Sehr gut.

Gestern nun einhundertsiebenundsechzig. Das ist schon eine Herausforderung. Wir überlegen. Eine Idee kommt aus den Kuschelkissen:

Hundert (ist ja klar) plus dreißig (vom April), dann zwanzig dazu, damit wir auf hundertfünfzig kommen. Das ist so logisch, oder? Was jetzt? Nochmal 17 dazu. 2017 ist Janoschs Geburtsjahr. Das passt.

Prima, dann bis morgen Abend.

Foto: Edith Kalisch

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