Beitrag: Tom Schmidt

Sie essen gerne Fisch und möchten einmal etwas Neues ausprobieren? Bei uns quasi vor der Haustür aus der Elbe kommend? In geschrotetem Roggenmehl gewendet und mit Butter und Speck in der Pfanne goldbraun gebraten, serviert mit Bratkartoffeln oder warmen Kartoffelsalat und Gurkensalat? Dann dürften die Monate Februar und März etwas für Sie bereithalten, was für viele Fischliebhaber mittlerweile eine Delikatesse ist: Stint. Und auch für den Stint gilt, wie bei anderen Dingen des täglichen Lebens, entweder man mag ihn oder man mag ihn nicht.
Meine erste Berührung mit Stint war vor Jahren die gutgemeinte Frage an meinen Schwiegervater, ein alteingesessener Vierländer, ob wir mit der Familie einmal Stint essen gehen wollen. Wurde ja in fast allen Restaurants in der Region angepriesen. Den Blick und die Antwort werde ich nicht vergessen. „Dat kann man neet eten, dat smeckt nich. Dat hebbt wi froher de Schwene und Hühner zum fodern geven“, war seine lapidare Antwort. Der muss ja lecker schmecken, dachte ich mir. Meine Frau hingegen bekam leuchtende Augen und sagte: Stint ist eine Delikatesse, den musst du unbedingt probieren. Jetzt wollte ich es natürlich genauer wissen, bevor ich als vermeintlicher Testesser vor einem Überraschungsteller saß und letztendlich von einer Currywurst träumte.
Obwohl ich gerne Fisch esse, interessierte mich natürlich, was schließlich vor mir auf dem Teller liegen würde. Am meisten faszinierte mich die Tatsache, dass dieser Fisch nicht den herkömmlichen Fischgeruch besitzt, sondern frischgefangener Stint nach Gurke riecht. Groß ist er auch nicht, durchschnittlich 15 bis 18 cm lang (es gibt auch größere Exemplare) mit einem leicht durchscheinenden Körper und silbrig glänzenden Flanken. Gefangen wird der Stint in den Monaten Februar, März bis Anfang April, wenn er von der Nordsee her bei uns in der Tide-Elbe zum Laichen kommt. Schwerpunkte bilden hier unter anderem die Ortsteile Kirchwerder und Altengamme in den Vier- und Marschlanden. Aber die Zeit, die mein Schwiegervater noch erlebt hat und in der man den Stint waschkörbeweise zum Füttern der Tiere in der Elbe abfischen konnte, sind lange vorbei. Das ehemals „Arme-Leute-Essen“ ist heute eine Delikatesse, die es leider nur zeitlich limitiert und in sehr begrenzten Mengen gibt.
Der Rückgang des Stints in der Elbe basiert darauf, dass sich der Lebensraum zum Laichen in den letzten Jahren massiv negativ verändert hat. Verantwortlich dafür ist unter anderem die Elbvertiefung, die mit dem ständigen Ausbaggern die Verschlammung der Elbe fördert. Wassertrübung und geringer Sauerstoffgehalt sind weitere Gründe für den Rückgang des Stints, der das gesamte Ökosystem der Elbe aus dem Ruder laufen lässt. Letztendlich ein hausgemachtes Problem der Politik und Wirtschaft in Hamburg, die weiter unbeirrt ausbaggern lässt und hofft, damit die sinkende Umschlagskraft des Hafens retten zu können.

Kommen wir zurück zum Anfang. Natürlich habe ich den Stint probiert, es war ein Genuss. Klassisch serviert, goldbraun in Roggenmehl gebraten, ausgenommen, ohne Kopf und sehr zartem Fleisch. Auf Empfehlung der Küche mit der Hand inkl. der weichen Greten gegessen, die man beim Essen im Mund nicht spürt, lediglich der Schwanz bleibt auf dem Teller liegen.
Sollten sie also Stint noch nicht kennen und jetzt auf den Geschmack gekommen sein, ist meine Empfehlung, zum Beispiel in einem Restaurant in den Vier- und Marschlanden schnell einen Tisch zu reservieren. Es lohnt sich.
Fotos: pexel
Toller Artikel – Ich habe jetzt richtig Appetit auf Stint bekommen. Stint sind wirklich eine Delikatesse
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