Beitrag: Sabine Ziesmer

Wer interessiert sich schon für den Valentinstag? Blumenhändler, Frauen, oder alle, die gerne schenken und sich beschenken lassen? Frau bin ich auch und zudem am Valentinstag geboren. Ich erinnere mich an Geburtstage, an denen nicht eine einzige kleine Blume meinen Gabentisch schmückte. Auch Süßigkeiten waren selten. Alle meine Lieben vertrösteten mich auf die Tage nach dem 14. Februar, da sollte es Blumen und Schokolade regnen, weil man dann garantiert ein Schnäppchen ergattern konnte. Natürlich geriet nach ausschweifender Geburtstagsparty der gute Vorsatz in Vergessenheit. Als wir alle begannen, kritisch über importierte Blumen und ungesunde Süßigkeiten nachzudenken, bekam ich Bücher und Gutscheine geschenkt. Ich kaufe mir die Blumen ohnehin am liebsten selbst, denn nur ich weiß, zu welcher Stimmung die richtige Blume passt. Für Rosen habe ich bis heute keine passende Stimmung ausmachen können, und laut Statistik liegt die Rose bei Frauen deutlich hinter der Tulpe. Wenn es Vierländer Tulpen zu kaufen gibt, steht immer ein frischer Strauß auf meinem Esstisch. Zwei Wochen vor meinem Geburtstag kaufe ich aber keine Tulpen mehr, denn seit einigen Jahren werde ich am 14. Februar mit Tulpen überhäuft. Mein Mann, meine Tochter, Freunde und Verwandte stehen strahlend mit üppigen Sträußen vor der Tür, denn nach dem schmalen Studentenbudget können wir uns den kleinen Luxus des Blumengeschenks am Valentinstag nun auch alle leisten. Die Zeiten von Mon Cherie sind sowieso längst vorbei, und ich liebe Tulpen.

Woher kommt der Valentinstag, der gerade bei jungen Leuten so an Bedeutung gewonnen hat? Welche historische Gestalt dahinter steckt, lässt sich nicht eindeutig ausmachen. Dass der Namensgeber ein Valentin gewesen sein muss, erscheint naheliegend, ist aber nicht bewiesen. So bietet sich ein römischer Heiliger an, der im 3. Jahrhundert Liebespaare nach christlichem Ritus traute. Er galt als Schutzpatron der Liebenden, und der Überlieferung nach soll er den Paaren Blumen aus seinem Garten übergeben haben.
Natürlich muss auch hier ein mächtiger Widersacher dem Heiligen Valentin die Freude am Vermählen missgönnt haben. Kaiser Claudius II. ließ ihn 269 enthaupten. Dieses tragische Ende teilt er mit vielen anderen Heiligen. Nachdem man den liebenswerten Valentin 1969 aus dem römischen Generalkalender gestrichen hatte, entdeckte die Kirche den Valentinstag wieder für sich und hält nun am 14. Februar besondere Segnungsgottesdienste ab.
Gut so, Paare brauchen auf jeden Fall einen heiligen Fürsprecher. Und wenn an diesem Tag der überteuerte Blumenstrauß den Paaren ein glückliches Lächeln ins Gesicht zaubert, hat Valentin alles richtig gemacht. Nebenbei bemerkt: In Deutschland kommt der Valentinstag erst nach 1945 im Gepäck amerikanischer Soldaten an, zusammen mit Kaugummi und Lucky Strikes.
Fotos: Boike Jacobs