Dieses und Jenes

Tomte Tummetot zieht ein

Beitrag: Sabine Ziesmer

Advents- und Weihnachtsbräuche, die zur Freude der Kinder und der jung Gebliebenen Einzug in unsere Stuben gehalten haben, gibt es bekanntlich einige. Ich liebe Weihnachtsbräuche und schmücke gern das Haus und den Garten, auch wenn sich daran nicht mehr oder noch nicht Kinderherzen erwärmen können. Als Grundschullehrerin begann die Vorweihnachtszeit bereits Anfang November. Es wurde gebastelt, Kulissen für die Weihnachtsaufführung entstanden, und erste Proben fanden statt. Ich war immer für Basteleien, Deko und Theater zuständig. In all den Jahren wurde mir das nie zu viel. Eine neue Idee, Kindern die Adventszeit zu versüßen, lernte ich bereits vor längerer Zeit von einer Kollegin kennen, die skandinavische Traditionen hervorragend mit eigener Kreativität zu verbinden wusste.

In ihrem Klassenraum wohnte Tomte. 22 eifrige Kinder erklärten mir ruck zuck was man über ihn wissen musste. Tomte ist ein freundlicher skandinavischer Hauswichtel oder Nisse, der Menschen und Tiere beschützt und von dem man weiß, dass er eine rote Mütze trägt und nachts über das Haus, in das er Einzug gehalten hat, wacht. Zuweilen spielt er auch kleine Streiche.

Astrid Lindgren hat den Tomte in ihren zauberhaften Geschichten zum Leben erweckt. Tomte betritt das Haus durch seine eigene Wichteltür, deren Zauber sich besonders im Advent entfaltet. Wenn Kinder einen Wichtel im Haus haben, finden sie jeden Morgen kleinere Lebenszeichen von ihm, in Form von Briefchen, kleinen Süßigkeiten, die eine oder andere mehlige Fußspur oder sie hinterlassen kleine Rätsel oder Aufgaben. Ich sehe in dieser schönen nordischen Tradition nur positive Aspekte. An jedem Tag des Advents kann die Wichtelwelt im Menschenland durch kleine Accessoires ergänzt werden. Tomte braucht für die Antworten auf seine Briefchen einen Postkasten, einen Besen, um für Ordnung zu sorgen, einen Weihnachtsbaum, einen Stuhl zum Ausruhen, ein Schälchen für Milch oder Keks, das man ihm am Abend vor seine Türe stellt.

Manche Kinder basteln vieles selbst, schreiben auch ohne nennenswerte Vorkenntnisse lange Briefe am Tomte und kommunizieren auf individuellste Weise mit ihrem ureigenen Hauswichtel. Die kleine Emmi aus meinem Freundeskreis steht nun immer vor allen anderen Familienmitgliedern auf, um nach Tomtes Spuren zu suchen. Sie findet plötzlich Gefallen am Schreiben, das hat ihre Lehrerin bislang nicht geschafft, und sie gestaltet ihrem Tomte eine wunderbare Kulisse vor der Wichteltür: Jeden Tag kommt etwas hinzu, einem Adventskalender gar nicht unähnlich. Ihr Eifer wird mit kleinen Geschenken vom Wichtel belohnt. Papa baut und bastelt mit Emmi unermüdlich und liebt diese gemeinsame Zeit mittlerweile sehr. Emmi wollte Tomte gern einmal sehen, also bekam sie zeitnah ein Foto von ihm. Etwas verpixelt, aber magisch. Als eine ältere Cousine darauf hinwies, dass hinter Tomtes Tür doch eine Wand sei, erklärte Emmi mit Nachdruck: „Das ist Magie.“

Ich bekam von meiner Kollegin eine Wichteltür geschenkt und sammle nun die kleinen, aber bedeutsamen Requisiten. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass meine kleine Enkelin die Magie des Wichtels spürt, ich bin auf jeden Fall vorbereitet. Mein Hausgeist sitzt entspannt vor seiner Tür und schaut mir dabei zu, wie sich seine Umgebung verändert. Er muss noch etwas Geduld haben.

Foto: Sabine Ziesmer

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