Beitrag: Boike Jacobs


Studioleiterin Menekse ist bei allen beliebt
Was ist für die meisten Jugendlichen der Lieblingsplatz in Bergedorf und Lohbrügge? Im Rahmen des Workshops „Generationenwerkstatt“ des KörberHauses fiel die Antwort eindeutig aus: das Gym. Wie bitte? Ja, gemeint ist das Fire Gym im Rudorffweg 25, das viel mehr ist als die Mucki-Buden, wie sie mir bisher bekannt waren. Auch mein 20-jähriger Nachbar Ibrahim trainiert dort mehrmals in der Woche. Ermutigt dazu wurde er durch einen Text auf der Website vom Fire Gym: „Fortschritt beginnt mit dem ersten Schritt. Und manchmal ist der schwerste … der zur Studiotür. Aber hey – wenn du erstmal da bist, läuft’s. Versuche es doch mal mit einem unserer vielen Kurse. Manchmal hilft es, in der Gruppe zu schwitzen und einen festen Termin zu haben, um sich aus dem Haus zu bewegen.“ Diese Kurse nehmen besonders viele Mädchen und junge Frauen wahr.
Und während es für Ibrahim schwer war, in der Schule Freunde zu finden, herrscht im Fire Gym eine Atmosphäre, in der er auflebt, sich gleichwertig fühlt und mit den neu gewonnenen Kumpels Spaß hat. Integration, die mit vielen Mitteln angestrebt wird, ist hier fast mühelos gelungen. „Von den Jungs zwischen 14 und 20 Jahren sind schätzungsweise 40 bis 50 Prozent Geflüchtete“, erklärt Studioleiterin Menekse. „Dadurch, dass wir ein kleines Gym sind, finden neue Mitglieder super schnellen Anschluss, bekommen untereinander Hilfestellung und lernen sehr schnell Gleichgesinnte kennen. Bei uns gibt es keinen Streit, keinen Hass, alle werden gleich behandelt.“

Kein Wunder, denn das Gemeinschaftsgefühl wird hier intensiv gefördert und geht über die rein sportliche Betätigung weit hinaus. „Im Fire Gym Lohbrügge trifft Energie auf Emotion – willkommen in Deinem zweiten Zuhause. Was ist Dein Ziel diese Woche?“ ist dort zur Begrüßung auf einem Bildschirm zu lesen. Eine entscheidende Rolle spielt die positive Einstellung der Crew, die die Jugendlichen nicht einfach drillt: „Komm auf uns zu – wir nehmen dich an die Hand, helfen dir mit einem Trainingsplan, der zu dir passt, und bringen dich wieder in Bewegung!“ Eine Fürsorglichkeit, die man im gängigen Fitness-Center nur selten erlebt.
Dass es im Fire Gym um mehr geht als um den reinen Aufbau von Muskelmasse, wird auch in regelmäßigen Anregungen deutlich. Natürlich gibt es auch hier reihenweise Geräte, aber es soll nicht nur gestemmt, gehoben und gezogen, sondern es soll eine neue Einstellung zum Körper gefunden werden. Ruhephasen sind dazu nötig, ebenfalls gesundes Essen, und so werden die Besucher auch informiert über „3 einfache Stress-Reduzierer“ oder ein Rezept unter der Überschrift „Stabiler Blutzucker statt Zucker-Crash“.

Kann man das alles durchhalten, ohne aus der Reihe zu tanzen, in alte Muster zurückzufallen, keine Lust mehr zu haben? Sicher hilft auch da die Ermutigung, die im Fire Gym zu lesen ist: „Manchmal fehlt nur ein kleiner Schubs, um wieder durchzustarten. Wir wissen, wie’s ist, wenn der innere Schweinehund mal stärker ist – aber keine Sorge: Wir packen das zusammen!“
Was war noch mal der Lieblingsplatz der Jugendlichen, die an den Workshops „Generationenwerkstatt“ im KörberHaus teilnahmen? Dass die meisten spontan das Fire Gym nannten, kann ich nun viel besser verstehen.
Fotos: Fire Gym (kostenlos)