Pastor Andreas Baldenius
Beitrag: Boike Jacobs

Pastor Andreas Baldenius in action: mit Konfirmand und Konfi-Team bei der „Konfirmation im Garten“ unter Corona-Bedingungen
Es geht um Visionen, die Andreas Baldenius sich erfüllen möchte, wenn er am 1. März in den vorzeitigen Ruhestand tritt und sich nach Limburg an der Lahn verabschiedet. Dort will der gerade bei Jugendlichen so beliebte Seelsorger nach 21 Jahren als Pastor von St. Petri und Pauli seinen Beruf zwar noch gelegentlich ausüben, aber gleichzeitig zu neuen Ufern aufbrechen. Denn es geht nicht nur um seine eigenen Visionen, er wird in Zukunft vor allem als ausgebildeter Mentor für Visionssuche arbeiten.
Aber haben nicht fast alle Menschen ohnehin Visionen? Die Schule beenden, den Führerschein machen, in die Lehre oder an die Uni gehen, Ausbildung oder Studium abschließen, schnell einen möglichst gut bezahlten Arbeitsplatz finden, die Karriereleiter hochklettern. Und dann natürlich heiraten, Kinder bekommen, ein Haus bauen. Lauter Ziele, erreichbar und messbar, die schon früh ins Auge gefasst werden. Wie kommt es, dass junge wie ältere Menschen plötzlich einen Burn-out bekommen, aus vorgezeichneten Bahnen ausbrechen, oft krank werden? Alles scheint doch wunderbar zu laufen.
Ein Denkfehler ist entscheidend: Ziele sind keine Visionen. Die gehen über kurzfristige Planungen hinaus, sind Hoffnungen, Träume, Wünsche, die erst einmal eine Richtung zeigen. „Ich werde Menschen dabei unterstützen, ihr Leben grundsätzlich zu überdenken und neu zu ordnen“, erklärt Andreas Baldenius. In der heutigen Gesellschaft sei der Mut zum Aufbau eines neuen Selbstbewusstseins verloren gegangen. Das werde den Menschen besonders bewusst nach unvorhergesehenen Brüchen und Übergängen in neue Lebensphasen. Die selbst gesetzten Ziele wurden nicht erreicht, Visionen fehlen. „Und da taucht dann die Frage auf: Was ist wichtig? Wovon kann ich mich trennen?“
Auf den ersten Blick scheint es, als gehe Andreas Baldenius demnächst auf völlig anderen Wegen als bisher, wenn er vom Pastor in St. Petri und Pauli zum Mentor für Visionssuche in Limburg wechselt. Aber bei näherem Betrachten ist auch dies neue Amt eine Form von Seelsorge. Eine moderne, mit der er vielleicht mehr Menschen gewinnen und in Bewegung setzen kann als mit den Mitteln der etablierten Kirchen.
Foto: privat