Damals war's, Wissenswertes

Von Samhain zu Süßes oder Saures

Die Geschichte von Halloween

Beitrag: Thorsten Werner

Jedes Jahr, wenn die Blätter golden werden und die Nächte länger, tauchen Kürbisse mit gruseligen Fratzen auf, und die Welt bereitet sich auf eine Nacht voller Geister, Hexen und zuckersüßer Erpressung vor.

Doch während wir heute an Halloween vor allem an Kostüme und Süßigkeiten denken, reicht der Ursprung dieses Festes tief in die Geschichte zurück – bis zu einem uralten keltischen Fest, das das Ende der Ernte und den Beginn der Dunkelheit feierte: Samhain.

Foto: Pixabay

1. Samhain: Der Schleier wird dünn (Keltische Ursprünge)

Die Geschichte von Halloween beginnt vor über 2.000 Jahren bei den Kelten in Irland, Großbritannien und Nordfrankreich. Samhain (ausgesprochen: Sow-inn) war ihr wichtigstes Fest und markierte den Übergang vom Sommer, der Zeit des Lebens und der Ernte, zum Winter, der dunklen und kalten Hälfte des Jahres.

Die Bräuche der Kelten:

  • Das Öffnen der Schleier: Die Kelten glaubten, dass in der Nacht zu Samhain der Schleier zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten am dünnsten war. Die Seelen der Verstorbenen konnten in ihre Häuser zurückkehren.
  • Feuer und Weissagung: Riesige Lagerfeuer (Bonfires) wurden entzündet, um die Ernte zu verbrennen (symbolische Opfer) und die bösen Geister fernzuhalten. Gleichzeitig dienten diese Feuer als Mittel zur Weissagung für das kommende Jahr.
  • Kostüme als Schutz: Um die Geister, die durch die Welt wanderten, nicht zu verärgern oder um sich unter sie zu mischen, trugen die Kelten oft Tierfelle und Masken. Dies ist der direkte Vorläufer unserer heutigen Kostüm-Tradition.
  • Gaben für die Geister: Man stellte Speisen und Getränke vor die Tür, um die herumziehenden Geister zu besänftigen und ein friedliches Weiterziehen zu sichern.

2. All Hallows‘ Eve: Die Christianisierung

Mit der Ausbreitung des Christentums versuchte die Kirche, die heidnischen Feste zu integrieren oder zu ersetzen. Im 8. Jahrhundert verlegte Papst Gregor IV. den Allerheiligen-Tag (All Hallows’ Day – ein Feiertag zum Gedenken an alle Heiligen und Märtyrer) auf den 1. November.

Die Nacht davor, der 31. Oktober, wurde so zur Vorabend-Veranstaltung: All Hallows‘ Eve (der Vorabend von Allerheiligen). Im Laufe der Zeit verkürzte sich dieser Name im schottischen Englisch zu Halloween. Die alten Samhain-Bräuche (Kostüme, Umzüge, Feiern) blieben in Teilen Irlands und Schottlands lebendig, wurden aber nun mit dem christlichen Kalender verknüpft.

3. Die Verbreitung: Von Irland nach Amerika

Die größte Welle der Halloween-Verbreitung kam im 19. Jahrhundert. Hunderttausende irischer und schottischer Einwanderer, insbesondere während der Großen Hungersnot in Irland, brachten ihre Traditionen mit in die Neue Welt, die Vereinigten Staaten und Kanada.

Dort vermischten sich die Bräuche:

  • Der Jack-o‘-Lantern: In Irland und Schottland schnitzte man ursprünglich gruselige Gesichter in Rüben, Kartoffeln oder Runkel, um böse Geister abzuschrecken. In Amerika entdeckten die Einwanderer den Kürbis, der größer, weicher und leichter zu schnitzen war – der Jack-o‘-Lantern, wie wir ihn kennen, war geboren.
  • „Souling“ wird „Trick-or-Treating“: Im mittelalterlichen England und Irland gab es den Brauch des „Souling“, bei dem Arme von Haus zu Haus zogen und im Austausch für Gebete für die Seelen der Verstorbenen „Seelenkuchen“ (Soul Cakes) erhielten. Dies entwickelte sich in Amerika zum heutigen „Trick-or-Treating“ (Süßes oder Saures), einem Ritual, bei dem Kinder in Kostümen Süßigkeiten fordern.

4. Halloween-Feste weltweit

Was einst ein rein keltisches Erntedankfest war, ist heute global. Fast jede Kultur hat ein ähnliches Fest, das den Ahnen und der Geisterwelt gewidmet ist.

LandFest (Ursprung)Beschreibung
MexikoDía de Muertos
(Tag der Toten)
Das Fest findet vom 31. Oktober bis zum 2. November statt und ist fröhlich und farbenfroh. Familien bauen Altäre (Ofrendas) für die Verstorbenen und feiern sie mit ihren Lieblingsspeisen und -getränken. Es ist eine Feier des Lebens, nicht der Trauer.
Italien/SpanienAllerheiligen/
Allerseelen
Oftmals gibt es hier das Brauchtum des Gedenkens an die Toten auf Friedhöfen, aber in einigen Regionen Italiens (z. B. Sardinien) gab es das „Su Mortu Mortu“, das dem Trick-or-Treating ähnelte.
Deutschland/ÖsterreichMartinisingen/
Rübengeistern
In einigen Regionen gibt es Umzüge mit selbst geschnitzten Laternen (meist aus Rüben oder Kürbissen, regional Kürbislaternen genannt) und Kinder, die Lieder singen (z. B. zu Sankt Martin) – eine Tradition, die zeitlich und thematisch (Licht im Dunkeln) Parallelen aufweist.
ChinaTeng Chieh (Laternenfest)Zwar zeitlich verschoben (normalerweise im August/September), wird dieses Fest gefeiert, um den Seelen der Verstorbenen den Weg ins Jenseits zu weisen, indem man Laternen entzündet.

Fazit: Die Feier des Übergangs

Von den rauchigen Lagerfeuern der Kelten bis zu den neonbeleuchteten Kostümpartys von heute – Halloween bleibt eine Feier des Übergangs. Es ist der Tag, an dem wir mit einem Augenzwinkern über die Dunkelheit und das Unbekannte lachen, unsere Ängste als Kostüme anziehen und die Toten ehren, indem wir uns daran erinnern, dass der Tod nur ein Teil des Lebenszyklus ist.

Ob Sie nun „Süßes oder Saures!“ rufen, eine Ofrenda bauen oder einfach nur einen geschnitzten Kürbis aufstellen: Sie nehmen an einer Tradition teil, die so alt ist wie der Winter selbst. Happy Halloween!

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