Beitrag: Sabine Ziesmer

Das Laub hat seine grüne Farbe verloren und fällt langsam auf die Erde. In verschiedenen dunklen Gelbtönen, in Rot und Orange raschelt es unter unseren Füßen. Es ist Herbst. Der Regen prasselt gegen unsere Fensterscheiben, die Kinder sammeln Kastanien, es werden Erntefeste gefeiert, und wir freuen uns über die Farbvielfalt der Natur.
Ein Hauptakteur des Herbstes scheint seit einigen Jahren der Kürbis geworden zu sein. Auf vielen Wagen des schönen Vierländer Festumzugs zum Erntedankfest waren auch unterschiedlichste Kürbisse zu sehen. Der Kürbis hat sich seit einigen Jahren einen Stammplatz in den Herzen der Menschen erobert. Ursprünglich stammt er aus Süd- und Mittelamerika und wird dort seit über 12000 Jahren angebaut. Damit ist er das älteste landwirtschaftliche Produkt überhaupt. Nach Europa schaffte es der Kürbis erst im 15. Jahrhundert zusammen mit der Kartoffel und allem was nicht auf der langen Schiffsreise einging oder verfaulte.
Der Kürbis ist aufgrund seiner Form, Farbe und Größe sehr markant, was für die Ausbreitung schon wichtig war. Bis ins 20.Jahrhundert hinein führte der Kürbis dennoch eher ein Schattendasein. Er war nicht nahrhaft genug und schmeckte auch den Wenigsten. Nur in Zeiten von Mangelernährung erinnerte man sich an ihn.

Als dem Menschen Wohlstandsbäuche wuchsen und Kalorienzufuhr reduziert werden konnte, erlebte der Kürbis einen ungeahnten Boom. Die wärmende Kürbissuppe ist nachhaltig und hält schlank. Der Kürbis ist mittlerweile ein Synonym für die bunte Herbstzeit, Laubrascheln und Herbstfeste – er steht in sattem Orange für Herbst und Gemütlichkeit. Dennoch wissen die meisten Leute wenig über den Kürbis. Er ist eigentlich eine Beere, eine Riesenbeere, auch Panzerbeere genannt, und gehört zu den Früchten. Da er gemüseähnliche Eigenschaften hat, bezeichnet man ihn als Fruchtgemüse.
Neben der Einteilung des Jahres in Jahreszeiten hat lange die Religion jährliche Markierungen gesetzt. Wir begehen unsere kirchlichen Feste, die uns Struktur und Verbundenheit geben. Diese Zeiteinteilung ist mittlerweile durch kulturelle Ereignisse ergänzt worden. Man kann nicht leugnen, dass unser Medienzeitalter und gute Geschäftsmodelle kommerzielle Feste befördert haben. So verhält es sich auch mit dem amerikanischen Kulturimport „Halloween“ mit seinen geschnitzten Kürbisköpfen. Die Frucht wurde von einer bloßen Ackerperle zu einem kulturellen Großereignis.

Das erklärt auch den Ernterekord von über 100.000 Tonnen Kürbissen jährlich. Wir kommen am Kürbis nicht mehr vorbei. Halloween wird am Abend des 31. Oktober gefeiert, dem Abend vor dem christlichen Allerheiligen. Das Wort ist eine Abkürzung für „All Hallows‘ Eve“. Es war ein altes keltisches Fest, bei dem das Reich der Lebenden und das der Toten durchlässig wurde und man mit Feuer und gruseliger Verkleidung die Geister zurückdrängen wollte. Heute streifen wild verkleidete überwiegend kleine Gestalten durch die Straßen und rufen: „Süßes oder Saures.“ Kann man dem Wunsch nach Süßem nicht entsprechen, weil man das Fest nicht kennt oder aber ablehnt, dann können die kleinen Vampire auch mal sauer werden. Aber mal ehrlich: ist es nicht schön, dass sich Kinder bunt verkleidet zusammentun und durch die Straße ziehen, um sich und ihr Kinderleben zu feiern? Wer sind wir Älteren denn, uns darüber moralisch zu erheben. Nun hängen die Kids mal nicht im Netz herum, das ist dann aber auch nicht richtig.
Ich hoffe jedes Jahr auf viele kleine Brüller und habe immer Süßes im Angebot, um dem Sauren zu entgehen. Bei mir und vielen anderen Nachbarn steht der Kürbis vor der Tür und lockt die Geister an. Ruck zuck sind die Kürbisse beim Straßenhandel und im Supermarkt vergriffen. Gut so, denn der Anbau ist mühsam und die Ernte erst recht.
Fotos: Sabine Ziesmer