Beitrag: Boike Jacobs

Ein Glück, dass wir nicht mit „Detlef“ gefahren sind, mit dem Sturmtief, das kürzlich Fähren lahm legte und auch den Katamaran „Halunder Jet“ der Helgoline im Hamburger Hafen festhielt. Ein Glück, dass meine Tochter und ich uns schon vier Wochen zuvor auf den Weg nach Helgoland gemacht hatten – bei mäßigem Wetter, aber ohne Böen und Regengüsse. Beide waren wir noch nie mit einem Katamaran gefahren, beide hatten wir noch nie die Insel Helgoland besucht. Doch nun legten wir von den Landungsbrücken ab, und ein kleines Abenteuer begann.

Bei der Fahrt auf grauem Wasser unter grauem Himmel hätten wir wohl schnell die Orientierung verloren, aber große Bildschirme zeigten unseren jeweiligen Standort an, und aus den Lautsprechern gab es dazu Erklärungen. Hahnöfer Sand war mir bekannt, aber mir war nicht klar, dass es in der Elbmündung so viele Sände gibt, darunter Neßsand, Schweinesand, Hanskalbsand und Mühlenberger Loch. 1000 Kilometer bis Cuxhaven, und dann waren wir auf offener See.

Als schließlich Helgoland in Sicht kam, gab es auch enttäuschte Stimmen: „Wo sind denn die roten Felsen?“ Die sind natürlich zum Anlegen nicht geeignet, aber schon von fern waren die bunten Hummerbuden zu erkennen, die den Hafen säumen.
Vier Stunden hatten wir Zeit, die Insel zu erkunden, und wir entschieden uns für eine Inselrundfahrt, bei der uns alles Sehenswerte gezeigt wurde samt ausführlichen Erklärungen dazu. Aber warum fuhren wir durch Hügel und Täler, obwohl doch ganz andere Bilder von Helgoland existieren?

Weil die Engländer die Insel während des Zweiten Weltkriegs als U-Boot-Stützpunkt nutzten, 1945 die Bebauung der Insel vollständig zerstörten, sie zwei Jahre lang zum Übungsziel machten und dabei riesige Krater im Oberland aufrissen. 1947 sollten dann durch ein gewaltiges Bombardement alle militärischen Anlagen zusammen mit alten Munitionsbeständen vernichtet werden, damit die Insel nie mehr militärisch genutzt, auch nie mehr bewohnt werden könnte. Es misslang dank der Widerstandskraft der Insulaner. Sie bauten auf, gestalteten neu, und heute ist Helgoland ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen.

Genau wie meine Tochter und ich beobachten sie zum Beispiel die vielen Seehunde und Kegelrobben, die sich entspannt in einer kleinen Bucht ausruhten. Tatsächlich hatte ich anfangs Mühe, sie vom Felsvorsprung aus zu entdecken, denn sie unterschieden sich auf den ersten Blick kaum von den großen, grauen, flachen Steinen, zwischen denen sie lagen.

Ganz anders die Kolonien von laut schreienden Seevögeln – diverse Mövenarten, Basstölpel, Eiderenten und Austernfischer haben am Lummenfelsen ihre Brut- und Nistplätze. Unablässig flogen sie hin und her, aufs Meer hinaus und wieder zurück, schnatterten, kreischten, stritten und duckten sich dann wieder auf den steinigen Untergrund.

Noch einmal mit dem kleinen Insel-Auto zurück durch Hügelland und Dorf geholpert, noch einmal Erklärungen unseres Fahrers vernommen, und dann mussten wir schon wieder Abschied nehmen von Helgoland. Zügig fuhren meine Tochter und ich auf dem Katamaran hinein in die Dämmerung, müde und glücklich, dass wir uns an diesem Tag einen alten Wunsch erfüllt hatten.
Fotos: privat und pixabay