Beitrag: Sabine Ziesmer

Wie können wir einander eine Freude machen? Was ist der beste Anlass? Wer steht im Mittelpunkt? Der Schenkende? Der Beschenkte? Oder alle beide? Diese Frage beschäftigt mich das ganze Jahr über, und die Antwort darauf hat sich immer wieder an mein Leben angepasst. Vielleicht fühle ich mich deshalb mit den „Heiligen Drei Königen“ so verbunden. Sie nehmen einen beschwerlichen Weg auf sich, um mit ihren Gaben das Erscheinen Gottes auf der Welt zu feiern. Schenken wird zu einer Form menschlicher Kommunikation.
Leider ist Schenken in vielen Bereichen unserer Gesellschaft zu einer Pflicht geworden, besonders an Weihnachten. Solange die Kinder noch jünger sind, kommt kaum eine Familie darum herum, möglichst viele nützliche oder auch ganz unnütze Gegenstände untereinander hin und her zu schieben. Zwischen Weihnachten und Neujahr werden die unliebsamen Gaben gnadenlos getauscht oder einfach zurückgeschickt.
Meine Tochter feierte diese Tauschaktionen mehr als den Akt des Schenkens an sich. Wollte ich als Schenkende dabei nicht vollkommen verzweifeln, musste ich meine Einstellung ändern. Es wurde fortan auf Bestellung geschenkt. Ich hielt es dennoch mit den Königen, die nichts über den zu Beschenkenden wussten und den Weg zu ihm nicht kannten. Würde man sich über ihre Geschenke freuen? Es machte mir immer größere Freude aus mir heraus, immer und überall andere Menschen zu beschenken. Jedes freundliche Wort, das ehrliche Interesse am Gegenüber, kleine Komplimente und ein freundliches Lächeln geben Beschenkten und Schenkenden so viel.
Diese Erfahrung habe ich bereits bei meiner Arbeit mit Kindern machen dürfen. Gerade sie sind Meister kleiner Komplimente und kritische Betrachter feststehender Regeln. Als ich die Geschichte der drei Weisen aus dem Morgenland und ihren mitgeführten Gaben erzählte, meldete sich eine Schülerin und erklärte mit ernster Miene: „Da bin ich aber froh, dass der Caspar nicht so ein teures Geschenk dabei hat. Der wollte mit seinen Möhren sicher den Esel des Jesuskindes beschenken.“ Diese kreative Änderung des Wortes „Myrrhe“ führte uns letztlich in ein fast philosophisches Gespräch über den Sinn des Schenkens. Jeden Montag haben wir dann kleine Komplimente verfasst, die wir gemeinsam lasen und uns darüber freuten. So erinnere ich mich an ein Kärtchen mit dem Satz „Du bist meine Pudelmütze, falls ich traurig werde.“ „Du bist eine tolle Nachbarin. Wir pusten graue Wolken weg.“ Zuletzt bekam ich ein zauberhaftes Kompliment von meiner Tochter: “Du liebst mich so wie ich bin, ganz bedingungslos.“ Schenken ist eigentlich kein Mysterium.
Foto: Sabine Ziesmer