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Im Mittelpunkt der Mensch

Beitrag: Boike Jacobs

Schon beim Betreten wird man geradezu hineingezogen in die Ausstellung der Künstlerin Christiane Leptien, die derzeit im Bergedorfer Schloss zu sehen ist. „Kontakt“ hat sie sie genannt, und der wird von Anfang an hergestellt, denn der erste Blick fällt auf ein großes Bild mit einer leuchtend-gelben Hand. Und Hände spielen in vielen ihrer Bilder eine zentrale Rolle: quer über dem Gesicht, groß über dem Kopf, gefaltet unter dem Kinn, nahe dem eigenen oder dem fremden Körper. „Kontakt ist Verbindung, Bindung, Beziehung, Berührung, ein Wechselspiel zwischen Nähe und Distanz. Hände berühren, halten, schützen, klammern, sprechen. Bilder werden visuelle Umarmungen“, schreibt Christiane Leptien dazu.

Es sind zumeist große Bilder, und obwohl Braun- und Blautöne in allen Schattierungen vorherrschen, scheinen sie von innen zu leuchten. Sie seien aufgebaut wie Landschaften, erklärt der Künstler und langjährige Weggefährte Rainer Heckel bei der Vernissage, erst mit einigem Abstand könne man sie wirklich wahrnehmen. Dann aber sprechen sie umso stärker, stellen unmittelbar Kontakt her. So nahe kommen die Gesichter und Figuten den Betrachtenden, dass sie immer wieder in einen Dialog mit ihnen treten müssen: Was wird da gedacht, gefürchtet, entdeckt oder abgewehrt?

Besonders intensiv geschieht dies bei den Bildern, auf denen Christiane Leptien ältere Geflüchtete dargestellt hat. Deren Gesichter sprengen im wahrsten Sinne des Wortes den Rahmen, sind nur im Ausschnitt zu sehen, bedrängen mit dem Ausdruck von Schrecken, Unsicherheit, Angst und Abwehr. Spontan möchte man sich dem entziehen und ist doch fasziniert von den starken Stimmungen, die hier sichtbar werden.

Seit über 30 Jahren arbeitet Christiane Leptien als Künstlerin. „Das Kernthema ihrer kreativen Auseinandersetzung mit der Welt ist immer der Mensch,“ heißt es im Flyer zu der Ausstellung. „Auf der Suche nach etwas Wahrem, etwas Echtem malt sie Bruchstücke naher Momente, zoomt den Ausschnitt heran, zeigt lediglich Details, weil es das große Ganze nicht braucht.“

Christiane Leptien

Im Bergedorfer Schloss sind ihre Bilder bis zum 18. August zu sehen.

Fotos: Christiane Leptien

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