Aus der Region

Wozu bin ich berufen?

Beitrag: Sabine Ziesmer

Es kam natürlich plötzlich und unerwartet, dass ich im Februar 2023 aus meinem langjährigen Dienstverhältnis ausschied, um in den Ruhestand versetzt zu werden. Nichts und niemand kann einen darauf so richtig vorbereiten, auch wenn man sich emotional längst darauf eingestellt zu haben glaubt. Natürlich hatte ich viele Ideen und die besten Vorsätze für die beste Zeit danach. Und dennoch trat ich ins Leere, als ich meinen Arbeitsplatz ein letztes Mal verließ.  Ich hatte nur die Hoffnung, eine neue Lebensaufgabe zu finden und den Optimismus, diese auch zu erkennen, wenn sie mir begegnete. So fühlte ich mich auch sogleich angesprochen, als ich einen Artikel im Billeblatt entdeckte, in dem Frau Pastorin Schmidt aus dem Kirchspiel Bergedorf Teilnehmer und Teilnehmerinnen für ihr Projekt suchte. Sie wollte sich in einer Gruppe der Frage „Beruf oder Berufung?“ widmen und aus einer größeren Anzahl von Berufsbiografien ein Buch erstellen. Hier war mir etwas begegnet, das ich unbedingt genauer in Augenschein nehmen wollte.

Nach einem persönlichen Gespräch mit Frau Pastorin Schmidt traf sich die neu gebildete Arbeitsgruppe bereits im Februar 2023 im historischen Hasse-Haus. Wir waren acht Ruheständler und Ruheständlerinnen mit unterschiedlich langer Erfahrung in diesem Lebensabschnitt, eine noch berufstätige Teilnehmerin und die Leiterin, die sich in der Schlussrunde ihres intensiven Lebens als Pastorin verortete. Lehrerinnen, Wissenschaftler, Manager und Managerinnen mit interessanten und vielfältigen Berufserfahrungen setzten sich fortan mit der Frage auseinander, ob der eigene Beruf eben nur ein solcher war, oder ob wir „berufen“ waren für unsere Tätigkeiten und Aufgaben. Nicht alle hatten sich bisher im religiös-spirituellen Sinne mit dieser Frage beschäftigt. Auch ich nicht. Und so begannen wir, jeder für sich oder gemeinsam, uns dieser Frage zu stellen. Die Auseinandersetzung mit dem Begriff „Berufung“ setzte sehr unterschiedliche Empfindungen frei. Wir lernten uns selbst und auch die anderen Teilnehmer und Teilnehmerinnen nach jeder präsentierten Berufsbiografie besser kennen.

Nun wollten wir natürlich auch die berufliche Entwicklung anderer Menschen hören und verschriftlichen – wir planten schließlich, ein Buch zu schreiben. Frau Pastorin Schmidt, Seelsorgerin für Menschen der Generation 80 plus, bot uns eine Liste interessierter Gemeindemitglieder an, die wir besuchen und interviewen konnten. Nun begann die spannendste Phase unserer Arbeit. Wir hörten zu, ordneten ein und schrieben auf, was man uns anvertraute. Das war eine verantwortungsvolle Aufgabe, die für beide Seite emotionale Momente bereithielt. Der Dynamik dieser heterogenen Gruppe ist es nun zu verdanken, dass neben dieser Arbeit mit älteren Menschen auch die nachfolgenden Generationen eine Stimme erhielten – Boomer, Generation X, Millennials, Menschen mit Migrationshintergrund –, alles ist in unserem Buch vertreten. Mit dem Titel „Wozu bin ich berufen? 45 Berufe geträumt, gelebt, verwirklicht“ erscheint ein gutes Jahr nach unserem ersten gemeinsamen Treffen nun das Buch zu dieser Arbeit.

Für mich war die Arbeit an diesem Projekt ein wunderbarer Anlass, auch über diese Beschäftigung hinaus, nach kleineren oder größeren Herausforderungen zu suchen, sie zu erkennen und anzunehmen. Ich habe tolle Menschen kennengelernt und viele neue Erkenntnisse gewonnen.        

Wir werden in den nächsten Tagen zwei Biografien aus dem Buch hier veröffentlichen.

Unsere Leser sind herzlich zur Buchvorstellung eingeladen:

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