Aus der Region

Kunst am Fluss – Andrea Cziesso

Beitrag: Sabine Ziesmer

Ich lebe seit nunmehr 35 Jahren in Kirchwerder und brauchte recht lange, bis ich die Landschaft und die Menschen, die hier leben, verstehen lernte. Die Vierlande besteht aus den vier Stadteilen Altengamme, Curslack, Kirchwerder und Neuengamme und gehört zum Bezirk Bergedorf. Bei einem Besuch des Bergedorfer Schlosses erfährt man viel über die Geschichte dieser einzigartigen Kulturlandschaft. Möchte man aber die einmalige Landschaft erspüren, sollte man sich mit dem Rad auf den Weg machen, die ursprünglich vier Flussinseln im Urstromtal der Elbe zu erkunden. Ein Fußmarsch von Elbstrand zu Elbstrand entlang des Deiches, durch Auenwälder im Naturschutzgebiet, ist fast mystisch und immer anders. Die Elbe gibt täglich Neues frei und nimmt im Wechsel von Ebbe und Flut Bestehendes mit sich fort.

Diesem Zauber können sich auch Künstler nur schwer entziehen, und so bieten die ständigen Veränderungen, verursacht durch die Gezeiten, das Licht und die Jahreszeiten, für Fotografen und Maler einzigartige Motive. Folgerichtig haben sich in den vergangenen Jahrzehnten viele Kunstschaffende hier angesiedelt. Wenn man viel Glück hat, finden vereinzelt Veranstaltungen in offenen Ateliers statt oder man kann Ausstellungen im Rieckhaus, im Bergedorfer Schloss, in der Riepenburger Mühle, im Kulturhaus Serrahn und an vielen anderen Orten besuchen.

Ich habe das große Glück, Andrea Cziesso, eine der wohl beeindruckendsten Künstlerinnen der Vierlande und darüber hinaus, gut zu kennen. Mein Hund und ich gehen täglich an ihrem alten denkmalgeschützten Reetdachhaus vorbei, und nicht selten spüren wir sie in ihrem Gemüsegarten oder inmitten ihrer bunten Hühnerschar auf. Bei einem spontanen Kaffee im Garten oder in ihrer urigen Küche höre ich von ihren Plänen und neuen Projekten. Andrea ist Vierländerin und tief mit ihrer Umgebung verbunden. Ihre digitalen Fotomontagen fangen auf unvergleichbare Weise die einzigartige Naturlandschaft der Vierlande ein. Die Geschichten, die sie in ihren Bildern erzählt, findet sie aber auch in Märchen oder bei den Alten Meistern. Freunde werden aufwendig kostümiert und in verwunschene Phantasiewelten projiziert. Ihre poetischen Bilder, in denen sie die Malerei mit Fotoelementen kombiniert, haben einen unverwechselbaren morbiden, altmeisterlichen Charme. Ich kann mich ihrer Faszination einfach nicht entziehen, und so hänge ich mir immer mal wieder eines ihrer Werke in meine Wohnräume.

Als ich vor einem Jahr in Pension ging und mein Arbeitszimmer verändern wollte, bot sich ein Werk meiner lieben Freundin Andrea an. Es schmückt nun eine freie Wand und wenn ich darauf schaue, beginne ich wie in einem Wimmelbild alle Bestandteile zu betrachten. Ich habe mich mit diesem Kunstwerk selbst beschenkt, damit ich in meinem neuen Lebensabschnitt niemals vergesse, dass das Leben in all seiner Skurrilität unendlich reich und heiter ist.

Fotos: Sabine Ziesmer

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