Beitrag: Sabine Ziesmer

Weihnachtswelt – auf den Kopf gestellt
Weiß verschneit sind Äste und Kronen,
als müsste es dieses Jahr richtig lohnen.
Ich stapfe froh ums Haus herum,
da seh` ich ihn stehen – ganz stumm.
Das rote Gewand arg verschmutzt,
der Jutesack scheint oft benutzt.
Er zeigt zur weißen Pracht,
als sei sie selbstgemacht.
Der Schnee verwandelt meine Welt,
alles ist auf still gestellt.
Doch Schnee, ein scheues Geschenk, ist nicht zu planen.
Er huscht über das Land, ist nur zu erahnen.
Man kann ihn nicht machen, nicht erzwingen –
Der Winter muss ihn einfach nur bringen.
In meinen warmen Händen wird er zerfließen,
er lässt sich nicht umschließen.
Dann hört er auf, Schnee zu sein –
So weiß, so klar, so fein.
Der rote Kerl in meinem Garten
musste lange auf weiße Tage warten.
Er kennt Vergänglichkeit –
Alles hat seine Zeit.
Der ernste Mann mit hohen Stiefeln und Bart
reicht mir ein Geschenk – ganz zart.
Ich nehme den Weg zurück zum Haus –
Es war wohl der Nikolaus.
In meinem Stiefel steckt ein Tannenbaum,
verkehrt herum – man glaubt es kaum.
Er wird die Stube schmücken,
Groß und Klein entzücken,
wenn er dann richtig aufgestellt –
in der verdrehten Weihnachtswelt.