Wissenswertes

Krieg, Zerstörung, verbrannte Erde

Beitrag: Boike Jacobs

Er arbeitet mit Holz, Leinwand, Blei, Gips, Stroh, Lehm, Stacheldraht, Eisen, und seine riesengroßen Bilder, Collagen und Skulpturen gestaltet Anselm Kiefer nicht nur mit Farbe, sondern auch mit Feuer und Wasser. Eine ganze Fabrikanlage hat er zum Atelier gemacht. Als „bedeutendster Künstler der Gegenwart“ wurde er von einer Jury ernannt, und Wim Wenders hat in zweijähriger Arbeit von ihm und seinen Arbeiten eine Dokumentation gedreht.

Sie beginnt wie ein Traum. In einem Märchenwald steht eine Frau im weißen Kleid. Sie hat keinen Kopf, und sie ist nicht allein. Immer mehr weiße Kleider und immer unterschiedlichere Gebilde auf deren Schultern sind zu sehen: Bücherstapel, Planetenbahnen, Stacheldraht, Steine, wuchernde Äste. Lasten, die einer jungen Frau nach der Hochzeit auferlegt werden und ihr Leben einengen? Im Film wird kaum etwas erklärt, man sieht die Skulpturen, die riesigen Bilder und Bauten, und selbst wenn sie realistisch sind, gibt es immer noch eine zweite, fast mystische Ebene, der ich mich nicht entziehen konnte.

Weiter geht es zu Türmen und den Ateliers. Hier, im südfranzösischen Barjac, hat Anselm Kiefer ein mehr als 35 Hektar großes Gelände in einen Kunst-Park umgewandelt. Meterhoch und -breit sind die Bilder und Skulpturen, mit dem Rad fährt Anselm Kiefer durch die Hallen, Helfer rollen die Kunstwerke nach seinen Anweisungen in die gewünschten Ecken.

Das Leichte und das Schwere sind bei Kiefer ganz dicht beieinander, eines greift ins andere. Und so arbeitet er mit Materialien wie Asche und Stroh, gestaltet seine Leinwände zugleich mit Flammenwerfern und gießt Blei über sie. Sein zentrales Thema: NS-Zeit, Krieg, Zerstörung, die Trümmerlandschaften seiner Kindheit, verbrannte Erde, die Blutspur der Geschichte. Dazu schreibt er oftmals Gedichtzeilen von Paul Celan und Ingeborg Bachmann auf die Kunstwerke.

Zu sehen ist die Dokumentation

im Zeise Kino: Fr., 13.10. 17:45 | 20:00 3D; Sa., 14.10. 17:00 | 19:30 3D; So., 15.10. 18:00 | 19:00 3D; Mo., 16.10. 16:45 | 19:45; Di., 17.10. 14:45 | 19:00; Mi., 18.10. 16:45 3D | 20:45; So., 29.10. 11:00; So., 29.10. 11:00 3D

im Abaton: Fr., 13.10. 17:59; Sa., 14.10. 17:20; So., 15.10. 17:50; Mo., 16.10. 17:15; Di., 17.10. 17:15; Mi., 18.10. 17:20 Uhr (alle 3D)

Fotos: Archiv

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